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Propheten nicht im eigenen Land

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

In Hochform sind derzeit die Granden der steirischen ÖVP anzutreffen. Vize-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer verstand es beim Neujahrs-Medienempfang, die Sache mit der "ganz normalen“ nächtlichen Parteisitzung in Wien und wie er davon erfuhr (um ein Uhr früh bei der Bärnbacher Faschingsparade), so zu erzählen, dass er alle Lacher auf seiner Seite hatte. SP-Landeshauptmann Franz Voves schlug sich an die Stirn vor Vergnügen. Die Steirer muckten auch gegen Spindeleggers "Starrsinn“ in der Gesamtschul-Debatte auf. Und Klubobmann Christopher Drexler klagte: "Spindelegger steht für Enge.“ Wer würde da widersprechen außer des Vizekanzlers engstem Umfeld und noch ein paar Cartellverbandsbrüdern? Bloß kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der marode Zustand der Bundes-ÖVP ihren steirischen Statthaltern nicht ganz ungelegen kommt. Zu sehr blitzt die Lust am Formulieren geschliffener Pointen durch, am Tragen besorgter Mienen und am staatsmännischen Seufzen. Da sind sie wieder, die Kamerateams aus Wien! Zu Hause müssen sich die Steirer-Schwarzen aber selbst mit zahlreichen "Widerstandsnestern“ (Drexler) herumschlagen. Viele (Ex-)Schwarze werfen auch ihnen Starrsinn vor.

Und ob Schützenhöfer & Co all die Erwartungen erfüllen können, die sie im kritischen Überschwang jetzt schüren? Die Grünen wollten (am Tag nach Redaktionsschluss) im Landtag die "Nagelprobe“ machen: Die Steiermark solle bei der Bundesregierung darum kämpfen, Gesamtschul-Modellregion zu werden. Drexler winkte am Vortag ab: Keine Ad-hoc-Entscheidungen treffen … gut vorbereiten … man schließe nichts aus, aber … Herr Vizekanzler? Sind Sie’s?

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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