Theater Kritik

Horváth und Tarantino? Ja, das passt zusammen

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

Es wird nicht einfach nur geschossen, es wird geballert. Pistolen und Gewehre werden gezückt, man bräunt sich im Solarium, und eine Adrenalinspritze wirkt lebensrettend, als die blutjunge Mia statt Kokain Heroin geschnupft hat. Zum Schluss spritzt Blut über die leere Bühne, die lediglich aus fahrbaren Schaufenstern besteht. Es ist wie bei Quentin Tarantino, nur dass wir hier nicht in Los Angeles sind, sondern in Wien: "Draußen ist die Hölle", heißt es einmal. "Draußen ist Wien-Umgebung." Gesprochen wird im Wiener Slang, überfallen wird der Rosenberger, die Beute kommt ins Aida-Sackerl.

In "Wiener.Wald.Fiction" vereint das Bernhard Ensemble "Pulp Fiction" mit "Geschichten aus dem Wiener Wald". Tarantinos Kultfilm und Horváths Volksstück in einer einzigen Inszenierung, kann das gutgehen? Nach "Weit. Way.Land" (Schnitzler/Lynch) beweist die Gruppe nun schon zum zweiten Mal, dass Hollywood und Wiener Theater einander sogar überraschend gut ergänzen können. Zur Musik von B. Fleischmann gehen die Schauspieler auf in ihren hybriden Rollen: Doris Schretzmayer ist als Drogendealerin Vally (bei Horváth war sie Trafikantin und hieß Valerie) herausragend. Albane Troehler, in Lederjacke und Nieten, verkörpert sowohl Mia aus "Pulp Fiction" als auch Horváths Marianne, Ernst Kurt Weigel ist großartig unsympathisch in der Rolle ihres inzestuösen Vaters. Clemens Berndorff gibt einen Wiener Vincent Vega im roten Trainingsanzug, Michael Welz den steifen Soldaten und Kajetan Dick als Oskar ist wie immer außerordentlich witzig.

"Wiener.Wald.Fiction" ist skrupellos und komisch, vor allem aber trashig und irre. Pulp Fiction bedeutet so viel wie Schundliteratur, das Regieduo Weigel und Voss legt ein Stück Schundtheater hin, und das ist gut so.

Das Off-Theater, Fr, Sa, Di 19.30 (bis 8.3.)


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