Kunst Kritik

Nonkonform: In den Fesseln der Wiederholung

Lexikon | NS | aus FALTER 04/14 vom 22.01.2014

Ist sie es oder ist sie es nicht? In den vielen japanischen Bondagemagazinen, die in Hito Steyerls Video "Lovely Andrea" durchgeblättert werden, sehen bald alle gefesselten Frauen gleich aus.

Schließlich werden die Helfer der Künstlerin aber in dem Tokioter Archiv fündig und Steyerl mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. In ihrer witzigen und vielschichtigen Videoarbeit von 2007 geht die Künstlerin auf die Suche nach Bondagefotos, für die sie sich vor 20 Jahren nackt mit Seilen schnüren ließ. Mit Ausschnitten aus Spiderman-Filmen, zeitgenössischen Bondageperformances oder Aufnahmen von gefesselten Gefangenen in Guantánamo stellt die Künstlerin ihre eigene Erfahrung aber gekonnt in einen viel weiteren Kontext der gesellschaftlichen Verflechtung und Machtspiele.

Steyerls Video ist zur Zeit Teil der abwechslungsreichen Schau "Copie Non Conforme", die die Künstlerin Amina Handke im Kunstraum Niederösterreich kuratiert hat. Zu den spannendsten Arbeiten der Original und Kopie hinterfragenden Ausstellung zählt "Remake Romanzo Criminale", das Ergebnis eines Videoworkshops mit jugendlichen Romas. Die in einem römischen Camp lebenden Burschen stellen einen TV-Krimi nach und nehmen die Rollen ihrer Gangsteridole auf bedenklich begeisterte Weise ein. Marion Porten und Jamika Ajalon stellen dagegen in der Fotoserie "Get ready to rumble!" die Boxfotos von Warhol und Basquiat nach, um Machtkampf und Queerness im Geschlechtertausch zu inszenieren.

Im Stil der Medienguerilla haben Heide Hammer und Kurto Wendt die Broschüre "Geben macht glücklich" gestaltet, in der sie eine bettlerfreundliche Kampagne der Stadt Wien faken. Lena Lapschina setzt sich dagegen mit ausländerfeindlichen Logos in Wien auseinander.

Kunstraum Niederösterreich, bis 15.3.


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