Ein Raubein unter den Literaten, ein Kenner der Unterwelt kommt nach Graz

Steiermark | LITERATUR VORSCHAU: TIZ SCHAFFER | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Er ist sicher einer der wilderen Hunde unter den Literaten. Zumindest war er es einmal - voriges Jahr hat Wolf Wondratschek seinen Siebziger gefeiert. Ein Alter, in dem man dann doch ein wenig ruhiger wird.

Die Süddeutsche Zeitung hat über den gebürtigen Rudolstädter und heute in Wien lebenden Schriftsteller einmal geschrieben, Wondratschek mag "das Geheimnisvolle und Schwermütige, das Unstete und Exzentrische, das Scheitern und Triumphieren, das sich in seiner unverstellten Prosa manchmal fast in ein Gedicht verwandelt". Sein Debüt 1969 trägt den wunderbaren Titel "Früher begann der Tag mit einer Schußwunde", sein legendärer Gedichtband "Chuck's Zimmer", den er in den 70ern als Privatdruck herausgab, war ein Verkaufsschlager.

Wondratschek eilt der Ruf voraus, einen ziemlich intensiven Lebenswandel gepflogen zu haben. Er kannte das Hamburger Milieu der Huren und Zuhälter ebenso wie die Münchner Koksszene. Zudem war er nicht nur literarisch tätig, sondern schrieb etwa auch Reportagen für den Playboy. Von der Kritik zwar zerrissen, sorgte auch "Einer von der Straße" (1991) für Aufsehen, ein Tatsachenroman über den Hamburger Rotlichtkaiser Walter Staudinger.

Um ein wenig zur Ruhe zu kommen, ist der vielgereiste Wondratschek 1996 nach Wien gezogen. "Meine Seele", sagte er in einem Falter-Interview vor zwei Jahren "ist immer noch Underground". Und sein letztes Jahr erschienener Roman "Mittwoch" ist noch immer bei Jung & Jung erhältlich. Die Woche wird ihn das Raubein zu Gehör bringen. F

Literaturhaus, Graz, Di 20.00


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