Anspruch an alle

Der Dirigent Claudio Abbado war kein Star, sondern hat Musik nur unüblich ernst genommen -auch politisch

Feuilleton | NACHRUF: JÜRG STENZL | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Auch wenn in den Nachrufen immer vom "Stardirigenten" die Rede ist, verstand sich Claudio Abbado schlicht als Musiker. Das bedeutete für ihn, der Musik und jedem Publikum gegenüber höchste Ansprüche zu stellen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Die Musik sei, so verriet er einmal, seit der frühesten Kindheit seine "einzige Leidenschaft" gewesen.

Auf Violin-und Klavierunterricht durch die Eltern folgten 1949-1953 Klavier-, Kompositions-und Dirigierstudien in Abbados Geburtsstadt Mailand, daneben besuchte er Vorlesungen an der Universität, etwa die des überragenden Lyrikers Salvatore Quasimodo. Entscheidend für den zukünftigen Dirigenten aber war die Dirigierklasse von Hans Swarowsky in Wien. Dort wurde ihm kein "Handwerk", sondern ein Musikverständnis vermittelt, das auf Swarowskys Studien bei Schönberg und Webern beruhte: eine "musikalische Ethik", bei der die Werke - und nur sie -im Mittelpunkt standen, deren Substanz ein Musiker verstehen müsse, um sie zu vermitteln.


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