Enthusiasmuskolumne Diesmal: der coolste Name der Welt der Woche

Ich glaube, meine Aubergine brennt!

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Wie kann man Scheichsbeutel heißen?", ruft Melzer in der "Strudlhofstiege" aus und bekommt die lakonische Antwort: "Man kann." Wenn einer in einem Roman Scheichsbeutel heißt und der Autor kein kompletter Vollkoffer ist (was man im vorliegenden Falle ausschließen kann), darf man davon ausgehen, dass diese Figur auch über ein scheichsbeutelhaftes Naturell verfügt.

Wie aber ist das im richtigen Leben (das bekanntlich kein Roman ist)?! Kann man dort im vollen Ernst und ganz unschuldig, sagen wir mal, Franz-Peter Tebartz-van Elst heißen? Worauf ich hinaus will: Wer seinen Bindestrichbezugsschein dermaßen ausreizt und gewisse Erinnerungen an Monty Pythons Barockkomponisten Johann Gambolputty von Hautkopf of Ulm (Name extrem gekürzt!) wachruft, darf nicht darauf zählen davonzukommen, bloß weil der Vatikan seine schützende Hand über einen hält.

Namen, so viel steht jedenfalls fest, sind weder Schall noch Rauch. Jemand, der Max Marx heißt -laut Harpo Marx so zirka der lässigste Name diesseits von James J. Jeffries -, kann nicht sehr viel falsch machen. Der coolste Name, der mir in den letzten Jahren unterkam, gehört einem US-Schauspieler und Synchronsprecher. René Auberjonois hat in ein paar tausend TV-Serien mitgespielt, u.a. in "Boston Legal", wo er als astrein und gertenschlank besetzter Gegenpol zu den beiden egomanischen Dioskuren der Feistheit, William Shatner und James Spader, seine liebe Not hat. Unlängst habe ich ihn in der dritten Staffel von "Bored to Death" wieder gesehen und gleich enthusiasmiert losgebrüllt: "Renäiii Oberschennwaaaaahh!" Man möchte sofort aufspringen und die vor sich hin schmurgelnden Auberginen mit Beaujolais ablöschen. So ein Name ist das!


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