Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Wer weiß, wie viele Berufswünsche und Karriereträume sich der Traumfabrik Hollywoods verdanken? Käme irgendein Bub auf irgendeinem Breitengrad dieses Erdenrunds, der noch nie einen Western oder zumindest "Bonanza", "Rauchende Colts" oder "Westlich von Santa Fé" gesehen hat, auf die Idee, Cowboy werden zu wollen? Wie viele investigative Journalisten haben ihren Job ergriffen, weil sie das Großraumbüro und die dicken Krawatten von Dustin Hoffman und Robert Redford ("All the President's Men", 1976) cool gefunden haben? Und basiert nicht auch die Neigung von Politikredakteuren, die Chefin vom Dienst durch ständige Veränderungen im Programm permanent zur Modifikation des Seitenspiegels anzuhalten, auf jenen Szenen aus US-Filmen, in denen der Herausgeber in die Druckerei stürmt und "Stop the machines!" brüllt, weil eine neue Ausgabe mit einer topaktuellen Sensationsnachricht gedruckt werden muss?

Bei der montäglichen Redaktionssitzung gab Florian Klenk jedenfalls einen seiner Lieblingssätze zum Besten: "In der Politik wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir das Edamerkatzengrinsen auf seinem Gesicht nur dazugedacht habe; und dasselbe gilt für die pantomimische Nachstellung von Edvard Munchs "Der Schrei"(1893 ff.) durch Isa Grossmann. Stellt sich die Frage, woher eigentlich wir Feuilletonisten unsere Role-Models beziehen. Meine Vermutung: Wir sind da doch stärker im 19. Jahrhundert verwurzelt und halten uns an Herman Melvilles Bartleby: "I would prefer not to."


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