Musiktheater Kritik

Eiskristallwände, Schnee und Blut am Teich

Lexikon | HR | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Schon das Vorspiel der Oper "Rusalka" von Antonín Dvorák gestaltet Dirigent Jirí Belohlávek bei der Premiere musikalisch so klangnuanciert, dass man auf einen gelungenen Abend hoffen darf. Was präzise Entfaltung der fast Wagner'schen Instrumentation, Tempodramaturgie und Sängerführung betrifft, erfüllt diese Hoffnung sich auch, bei den dramaturgischen Ungereimtheiten des Inszenierungsabonnenten Sven-Eric Bechtolf nicht so ganz. Das Bühnenbild von Rolf Glittenberg suggeriert im ersten Akt das Reich des Wassermanns und der Nixe Rusalka, die obere Spielebene ist meist mit Glaswand verdeckt, dort auftretende Protagonisten kann man nur schemenhaft wie in einem Traum wahrnehmen. Einmal durchschwimmt diese Teichoberfläche auch der Prinz und Krassimira Stoyanovas Gesang an den Mond als Sehnsucht einer Verliebten nach einem Menschen geht zu Herzen. Gut ist Michael Schade vor allem in den lyrischtraurigen Situationen, in den dramatischen kann er etwa Piotr Beczala (zuletzt in Salzburg) nicht erreichen.

Mit der Hilfe der Hexe Jezibaba wird Rusalka zum unglücklichen Menschenkind. Eine choreografierte Vergewaltigungsfantasie von ihr erspart den Hochzeitsaufmarsch des Hofstaates. Janine Baechle ist in Bechtolfs "Familienaufstellung" die böse Tante, Wassermann Günther Groissböck das gute Onkelchen, dem eine Ohrfeige gleich leid tut und der sie zurückholt.

Märchenfantasie psychoanalytisch übertreiben will der Regisseur, wenn die Hexe dem Küchenjungen Angst macht, der von ihr als guter Braten begrüßt wird: Sie sticht ihn drastisch ab, damit sie und die drei Elfen dessen Blut schlürfen können. Auch Rusalka versieht sie mit einem Messer und Scherenfingern, um den Prinzen zu töten. Der schläft im Schnee am Teich ein und erfriert dort fast. Ein Kuss der Nixe genügt, dass er stirbt.

Staatsoper, Mo 18.30, Do 19.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige