Ungeschützte Werkstätten

Könnten bald hunderte Menschen mit Beeinträchtigung ohne passende Betreuung sein? Experten sagen: Ja!


Nachschau: Gerlinde Pölsler
Steiermark | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Es ist acht Uhr Früh, im "Werkhof" in der Grazer Kärntner Straße herrscht bereits Hochbetrieb. "Wir fangen um halb acht an und hören um halb vier auf", erklärt ein Betreuer. Hinter einer großen Nähmaschine lacht verschmitzt eine kleine Frau hervor. "Ja, Jasmin, du hörst manchmal früher auf.""Und ich", meldet sich ein Mann, "arbeite außerdem bei der Caritas: Ich mähe Rasen."

An einem großen Tisch steht Peter M., 64, und schneidet Planen zu - sie werden hier in Taschen verwandelt. Die Schablonen zum Ausschneiden haben die Kollegen aus der Metallwerkstatt einen Stock tiefer hergestellt. Damit sie beim Nachzeichnen nicht wegrutschen, wurde eigens eine magnetische Unterlage angebracht. Peter war zuvor in einer Kreativwerkstatt, dort bemerkten die Betreuer, "dass er immer mehr abbaut". Vor zwei Jahren, in einem Alter, in dem der Großteil der Österreicher bereits in Pension weilt, wechselte Peter in die Manufaktur - "und es war die Überraschung: Er ist so was von aufgeblüht."

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