Kommentar Österreichischer Filmpreis

Die Jury lag nicht verkehrt: Deine Schönheit ist was wert!

Falter & Meinung | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Zum österreichischen Film des vergangenen Jahres kann einem allerhand einfallen: der Oscar (für Michael Hanekes "Amour"), die regen Festivalbeteiligungen, seine oft rigorose Ästhetik, aber natürlich auch die knappen Budgets oder der allzu seltene Erfolg an der heimischen Kinokasse. Vermutlich eher selten kommt einem der Begriff "sympathisch" in den Sinn, noch dazu in Kombination mit der 2009 gegründeten Österreichischen Filmakademie, die es sich zur ersten und nobelsten Aufgabe gemacht hat, "die Leistungen der heimischen Filmbranche" abzufeiern -mithin also auch sich selbst.

Den alljährlichen Höhepunkt ihrer Tätigkeit stellt -ganz nach amerikanischem, französischem oder deutschem Vorbild -die Verleihung des Österreichischen Filmpreises dar. Diese fand vorige Woche zum vierten Mal statt und sorgte gleich für mehrere Überraschungen. So ließ sich der ORF, der sich gerade anschickt, den Etat des Film-Fernseh-Abkommens zu halbieren, nicht lumpen und berichtete großflächig über die Preisverleihung -u.a. in einer halbstündigen Doku im Promi-Taxi-Format mit dem leicht dementen Titel "Achtung! Sondersendung zum Österreichischen Film".

Die eigentliche Überraschung aber war die Preisverleihung selbst, bei der anstelle der Favoriten -Antonin Svobodas "The Strange Case of Wilhelm Reich" und Götz Spielmanns "Oktober November", beide in fünf Kategorien nominiert -das melancholische kleine Migrantendrama "Deine Schönheit ist nichts wert" und der junge kurdischstämmige Regisseur Hüseyin Tabak als Gewinner hervorgingen. Natürlich ist Sympathie kein Qualitätskriterium, aber mit dieser Entscheidung hat die Österreichische Filmakademie heuer ordentlich Punkte gemacht. F


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