Rührende Schlichtheit und hohles Pathos - "Turandot" an der Grazer Oper

Steiermark | OPERNKRITIK: HERBERT SCHRANZ | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Mit Giacomo Puccinis Fragment gebliebener letzten Oper "Turandot" (1924) hat sich die Oper Graz eines schwierigen Stoffs angenommen. Der Koproduktion mit der Oper Stockholm unter der Regie von Marco Arturo Marelli gelang es nicht, die dramaturgischen Leerstellen zum Gesinnungswandel der lange grausam rachsüchtigen asiatischen Prinzessin Turandot zu überbrücken. Diese waren dem ringenden Puccini selbst bewusst, er wollte die entscheidende Schlussszene nach dem Opfertod der Sklavin Liù musikalisch jedenfalls "ohne Bombast" gestaltet wissen, was der Vollender Franco Alfano ignorierte. Was genau, lässt Calaf "siegen", wie bezwingt er Turandot? Fragen auch an die Regie.

Während Margaretha Klobučar die Liù in ihrem Rollendebüt vorbildlich schlicht anlegen konnte und geschmeidig realisierte, blieb Mlada Khudoley (Turandot) und James Lee (Calaf) offenbar nichts, als der Rückzug auf innerlich leeres Pathos. Die Regie nuancierte ihre Rollen nicht genug. So wurde auch die soziale Rolle einer chinesischen Prinzessin verkannt, der bombastisches Espressivo nicht zusteht; ihr Hass wird Kälte und Brutalität, ohne Donner. Vom "Bombast" wollte Puccini diese Oper möglichst freihalten, auch daher seine musikalische Hinwendung zur kühlen Welt Igor Strawinskys. Dem erwies das Grazer Philharmonische Orchester unter Domingo Hindoyan zu wenig Referenz. Erst wenn Turandots Stimme innere Blitze verhüllen würde, könnte ihr rotes Kleid unter dem Eisesgewand (Kostüme: Dagmar Niefind-Marelli) übers Dekor hinaus brennend die Wahrheit verraten. F

Oper Graz, So 18.00, Do 19.30


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