Ohren auf Wiener Lieder

Geschichten aus dem Malipop und von anderswo

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Ob man das neue Album von Ernst Molden überhaupt als neues Molden-Album bezeichnen dürfte, fragt der Pressetext zu "Ho Rugg"(Monkey). Zu Recht: Der Wiener Autor und Musiker hat die zwölf Songs zwar verfasst, eingespielt wurden sie -nach der Soloarbeit "So a scheena Dog"(2012) - aber wieder im Quartett mit Willi Resetarits (Gesang, Ukulele, Mundharmonika), Walther Soyka (Ziehharmonika) und Hannes Wirth (Gitarre mit und ohne Strom). Und so gut Molden in seiner auf zärtliche und feinsinnige Weise derben (Dialekt-)Sprache als Songwriter auch sein mag, wirklich zum Leben erwachen seine Lieder erst in genau dieser Konstellation.

"Ho Rugg" lebt wie kein Molden-Album davor: Es holt den Blues nach Wien, düster, schwer und existenzialistisch, tänzelt aber auch unbeschwert aus der Stadt hinaus. Philosophisches trifft auf Denkmäler für Wiener Institutionen wie das Café Malipop, die in keinem Reiseführer stehen, und Besuche in Kritzendorf und am Neusiedlersee. Und mittendrin, bei "Kinda ruggds zaum", kommt einem plötzlich die Erkenntnis, dass Molden weder Austropop-noch Wienerliederneuerer, sondern schlicht der Will Oldham Österreichs ist.

Herr Soyka hat seine Finger noch bei zwei weiteren aktuellen Wiener Produktionen im Spiel: "Wödschein" von Wosisig ist auf seinem Label Non Food Factory erschienen, seine Quetschn ist auch zu hören. Sprachlich ansprechend kreativ (charakteristischer Songtitel: "Oasch pa ti"), kombiniert das junge Quartett Zeit-und Befindlichkeitsreflexion mit entstaubtem Dialektrock und Fernweh in Richtung Osten. Wienerlied, Gesellschaftskritik und Geblödel einen wiederum Gebrüder Marx (Protestsongcontest-Sieger 2011) auf ihrem späten Debüt "Kramuri" (Reich &Schön), wohltönend aufgenommen von, genau, Walther Soyka.

Molden/Resetarits/Soyka/Wirth live: 30. und 31.1., 20 Uhr, Stadtsaal


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige