Neues in privaten Räumen: die Künstlerinnen Ulrike Grossarth und Francesca Woodman

Feuilleton | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Die Generali Foundation widmet der deutschen Künstlerin Ulrike Grossarth, Jg. 1952, eine Retrospektive. Grossarth begann als Tänzerin und entwickelte im Umfeld von Joseph Beuys eine eigene, von gesellschaftskritischen Ideen getragene Ausdrucksform. "Die Herstellung von Kunstwerken ist für mich sekundär, was mich interessiert, sind tatsächlich erfahrbare Denkräume", erklärte Grossarth.

In der Ausstellung sind Zeichnungen, Fotografien und Filme zu sehen, die die frühen Tanzprojekte dokumentieren. Im Mittelpunkt steht der zentrale Werkkomplex "Bau I" (1989-2000). Die Künstlerin arrangierte auf Tischen Diaprojektoren, Marmeladegläser und Scherben. So möchte sie Begriffe wie Schatten, Licht, Spiegel, Objekt und Bild veranschaulichen.

Der dritte Teil der Ausstellung umfasst Werke über Osteuropa. Grossarth lebt zeitweise im polnischen Lublin, einem ehemaligen Zentrum jüdischen Lebens. Mit dem aus den Ankäufen der Generali Foundation lukrierten Geld will sie hier eine Kabbala-Schule finanzieren. Das jüdische Denken in Paradoxa liefert der Künstlerin ein Modell für die eigene Arbeit.

Eine Serie reproduzierter Bilder erinnert an den Fotografen Stefan Kielszina, der in den 30er-Jahren die Geschäftsstraßen Lublins dokumentierte. In Form bedruckter Stoffe, Kleidungsstücke und gemalter Werbetafeln ruft die Künstlerin die von den Nazis vernichtete Welt in Erinnerung, die Handel und Mystik vereinte.

Die Sammlung Verbund wiederum zeigt Fotografien der wiederentdeckten US-Künstlerin Francesca Woodman (1958-1981), die sich mit 23 Jahren das Leben nahm. Es handelt sich um Studien der eigenen Person, die manchmal in verwischten Bewegungen verschwindet. Auf den vom Surrealismus inspirierten Fotografien ist der nackte Körper der Künstlerin zu sehen, der mitunter mit der Umgebung -Spiegeln oder Baumwurzeln - zu verschmelzen scheint. F

Ulrike Grossarth: bis 29. Juni in der Generali Foundation. Francesca Woodman: bis 21. Mai in der Vertikalen Galerie (1., Am Hof 6a)


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