Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Rabenhorsts Weizengrassaft

Über einen grünen Saft, dem die Landung missglückt ist

Stadtleben | MS | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Der Hype um frischen Weizengrassaft hat in Österreich keine Wurzeln geschlagen. Zu abartig scheint es dem städtischen Gaumen zu sein, Gras in flüssiger Form zu konsumieren. So hatten einige Frischsaftbars zwar für kurze Zeit diesen vor Chlorophyll strotzenden "Vitalsaft" im Sortiment, dem man nachsagt, er könne durch sein Plus an Vitamin C, E und B12 dem Körper so viel Gutes tun; überzeugt hat es den werten Käufer anscheinend nicht. Bald verschwanden die kleinen grünen Grasboxen, aus denen man die Halme für den Cocktail zupfte, wieder aus den Regalen. Nun bietet die Firma Rabenhorst aus dem am Rhein gelegenen Unkel Weizengrassaft in pasteurisierter Form feil. Dieser Saft im Glaseinwegformat kann natürlich nicht nur aus Weizengras bestehen. Es wurde mit der Mikroalge Spirulina, Grüntee und Apfelsaft vereint. Schade! Kann ein Saft, der mit dem Untertitel "In Balance" versehen wurde, überhaupt vernunftbegabte Menschen erreichen? Noch dazu mit dem Bild einer in Meditation versunkenen Dame, die ein Saftglas anzubeten scheint? Eigentlich nicht. Ein Schluck von diesem Getränk stillt aber diese merkwürdige, massenuntaugliche Lust, das frische Aroma von Gras nicht nur zu riechen, sondern auch zu schmecken. Wer an einer frisch gemähten Wiese - man verdränge jetzt den damit einhergehenden Benzingeruch -, ohne Herzblut zu vergießen, vorübergehen kann, der wird diese Zeilen gnadenlos überlesen. Okay. Neu im Rabenhorst-Sortiment ist auch der Weiße Traubensaft, der samtiger nicht sein könnte.


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