Mediaforschung Verführungskolumne

So lasset uns saufen: warum man für Alkohol werben darf

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Im Jonas-Reindl am Schottentor, wo Straßenbahnen ihre Schleifen ziehen, hängt hinter den Schienen ein Sujet. Es zeigt eine Jägermeister-Flasche im Bühnenlicht, 35 Prozent Alkohol, "Der Gemeinschaft geweiht" ruft es den Passagieren zu.

Die Gemeinschaft Österreich ist eine Trinkernation, das ist kein Geheimnis, nein, es ist Teil der Identität. Schon im Geschichtsunterricht lernen wir, wie erfolgreich Staatsvertragsverhandler Leopold Figl mit den Russen um unsere Unabhängigkeit soff. Österreich wurde frei. Prost!

Was auch kein Geheimnis ist: Die Gemeinschaft hat ein Alkoholproblem. Rund 350.000 Menschen sind hierzulande alkoholkrank; jeder zehnte Österreicher wird es im Laufe seines Lebens einmal, schätzen Suchtexperten. Laut IHS zahlt die Gemeinschaft deshalb ordentlich drauf - rund 740 Millionen Euro. Pro Jahr.

Warum darf man nicht für Zigaretten werben, für Alkohol aber schon? "Weil durchs Rauchen massive gesundheitliche Schäden entstehen - auch für Passivraucher", sagt Werbe-Experte Markus Deutsch von der Wirtschaftskammer, "ein Bier zum Essen ist hingegen völlig akzeptiert."

Die einzige Einschränkung lautet: Im TV und Radio darf nur für Alkoholika bis 15 Prozent geworben werden. Warnhinweis: nicht nötig.

Auf dem Sujet im Jonas-Reindl gibt es dennoch einen -für die Jugend. Ziemlich klein, ziemlich subtil. "Eiskalter Genuss ab 18 plus!" steht da am Plakatrand. Man kann es lesen, wenn man über die Schienen steigt. Und einen die Straßenbahn nicht überfährt.


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