Beisl Der steirische Gourmet

Im Krebsgang voran

Steiermark | Restauranttest: Günter Eichberger | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Der Krebsenkeller war in den vergangenen Jahrzehnten ein gutbürgerliches Lokal mit einem unschätzbaren Vorteil: Es hatte täglich geöffnet. Man konnte sich also auch sonntags getrost dort verabreden. Freilich hat gastronomische Verlässlichkeit einen Nachteil: die öde Wiederkehr des Gleichen. So war der Krebsenkeller zwar immer offen, aber nicht offen für kulinarischen Geschmackswandel; vom Ambiente ganz zu schweigen. Von den Wänden glotzten die Porträts der Stammgäste aus den letzten fünf Dekaden, eine gefühlte Ewigkeit lang. Lautes Sprechen wurde nicht gern gehört. Und die Tischsitten der Grazer Spätboheme führten umgehend zum Lokalverbot.

Nach einer wohlverdienten Pause gibt es den Keller seit November wieder, und siehe da, es hat sich vieles zum Besseren gewandelt. Zwar sind die Krebse in der allzu rahmigen Flusskrebssuppe (€ 5,10) nicht mehr als Dekor, aber die Hauptgerichte entschädigen durch solide bis hervorragende Qualität. Das halbe Backhendl aus dem Sulmtal (€ 9,50) ist saftig, die Panier perfekt. Und der (entgegen der Wiener Tradition) dicke, aber wunderbare Tafelspitz (€ 14,90) bietet eine langsam in Vergessenheit geratene Beilage: Semmelkren.

Resümee

Familie Trenk ist auf dem richtigen Weg: im Krebsgang aus dem spießigen Wiederholungszwang in eine traditionsverbundene Zukunft.

Restaurant Krebsenkeller,

Sackstraße 12, 8010 Graz, 0316/83 94 13, Mo-Sa 11-24 Uhr, info@krebsenkeller.at


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