Sie glaubten, sie hörten die Möwen schreien

Lampedusa markiert die Grenze Europas. Der Reporter Ulrich Ladurner hat die Insel besucht und Anarchie vorgefunden: Ein Vorabdruck aus seinem neuen Buch

Politik | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Keiner weiß genau, wie viele Menschen in den letzten beiden Jahrzehnten im Mittelmeer ertrunken sind, mehr als 20.000 dürften es nach seriösen Schätzungen gewesen sein. Die größte bekannte Tragödie ereignete sich am 3. Oktober 2013 wenige hundert Meter vor der Küste Lampedusas.

Gegen vier Uhr morgens kam ein mit Flüchtlingen randvoll besetzter Fischkutter in Sichtweite der Insel. Die Insassen des Bootes sahen die spärlichen Lichter der Insel. Sie waren erleichtert, endlich glaubten sie sich am Ziel. Die meisten kamen aus Syrien, Somalia und Eritrea.

Die Somalis unter ihnen hatten einen Krieg hinter sich gelassen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten das Land heimsucht und von dem niemand weiß, wann und wie man ihn beenden könnte.

Syrien wurde zu dem Zeitpunkt, als der Fischkutter nach Lampedusa kam, seit mehr als zwei Jahren von einem grausamen Bürgerkrieg erschüttert, dessen Ende ebenfalls nicht absehbar war. Und in Eritrea regiert eine Militärdiktatur, welche die jungen Männer


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