Musik Tipp Pop

Wenn die Indierocker den Hip-Hop entdecken

Lexikon | GS | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Gut, aber ein bisschen unaufregend, so könnte man das österreichische Popjahr 2013 charakterisieren. Es gab gelungene Alben etablierter Acts wie Naked Lunch, Clara Luzia, Gin Ga, Francis International Airport oder Camo & Krooked, es gab teils überraschende Comebacks, etwa von Shy und I-Wolf, und es gab eine Reihe bemerkenswerter Debüts, etwa von Mimu, Sweet William van Ghost, Fijuka, We Walk Walls und Farewell Dear Ghost.

Für das hiesige Popereignis 2013 war aber niemand davon verantwortlich. Der einzige echte Aufreger hieß Bilderbuch, und das kam durchaus ein wenig unerwartet. Denn Bilderbuch sind zwar noch ziemlich jung, aber schon seit 2005 mit dabei. Die in Wien lebenden Oberösterreicher haben als Schülerband begonnen und zwei deutschsprachige Indierockalben veröffentlicht, sehr ordentlich, sehr ambitioniert, im Zweifelsfall aber auch ein bisschen brav und fad. Dann kamen allerdings der letztjährige Sommerhit "Plansch" und die im Herbst nachgelegte EP "Feinste Seide" und mit ihr der Übersong "Maschin", der nicht zuletzt durch das minimalistische Video mit dem gelben Lamborghini über Nacht auch Deutschland eroberte. "Österreicher machen bessere Popmusik als Deutsche", schrieb etwa die Süddeutsche Zeitung euphorisiert.

"Maschin" ist, wie die gesamte "Feinste Seide"-EP, kein bisschen brav und kein bisschen fad, sondern sexy, eindringlich und mitreißend. Verdammt sexy, verdammt eindringlich und verdammt mitreißend. Wie das so plötzlich kommt? Vielleicht, weil Bilderbuch sich mit einem Mal nichts mehr scheißen und mit ihrem angestammten Bandinstrumentarium an zeitgenössischem Hip-Hop geschulte Musik spielen, ohne dabei je den Song aus den Augen zu verlieren. Ob die Band noch mehr davon in der Hinterhand hat, lässt sich am Samstag live überprüfen.

Brut im Künstlerhaus, Sa 21.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige