Kunst Kritik

Wen das Schwarzmeer als Gast zu sich ruft

Lexikon | NS | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Allen Ritzen und Löchern zum Trotz klappern sie über den Asphalt und überwinden sogar Dreck unbeschmutzt. "Tak Tak" - übersetzt "Ja, ja" - heißt die in Kiew gedrehte Videoarbeit von Katharina Lackner, die nichts anderes als sich durch den Stadtraum bewegende Stöckelschuhe zeigt. Die Künstlerin produzierte das humorvolle Video während eines einmonatigen Artist-in-residence-Aufenthalt in der Ukraine.

Die Gruppenschau "Black Sea Calling", die derzeit von der Hilger Brot Kunsthalle gezeigt wird, umfasst Arbeiten von 18 Künstlern, die für solche Gastaufenthalte verreisten. Das Grazer Kunstzentrum rotor kooperierte seit 2011 mit neun Partnerinstitutionen aus dem Schwarzmeerraum und sechs aus Österreich. Gemeinsam mit diesem Netzwerk wurden bei einem Open Call die jetzt gezeigten Künstler für Residences ausgewählt.

Bis auf das eher junge Alter ihrer Produzenten verbindet die präsentierten Arbeiten noch, dass sie sich auf kulturelle Fremdheit und lokale Spezifika beziehen. So etwa bei Konstantin Kitiashvili, der von Tiflis nach Graz kam. Seine witzige Videoarbeit "Religious Aerobics" zeigt eine Gruppe von Menschen im Trainingsgewand, die im Park religiöse Gesten aus dem Christentum, Judentum und dem Islam wie Fitnessübungen vollführt. Die Gastkünstlerin Veronika Tzekova aus Sofia hat im Grazer Stadtraum Gesellschaftsspiele angebracht, um spontane Interaktionen -etwa via Mensch-Ärgere-Dich-Nicht auf einem Kanaldeckel -anzuregen. Michael Hieslmair und Michael Zinganel beschäftigten sich im moldawischen Chisinau mit den ins Land drängenden Strömen von Geschäftsleuten und entwickelten daraus eine Installation mit Zeichnungen und Audioaufnahmen. Die westliche Lust an östlicher Gigantomanie nimmt Catrin Bolt mit Fake-Fotos riesiger Denkmäler in Yerewan aufs Korn.

Hilger Brot Kunsthalle, bis 15.2.


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