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Heimat

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Führen im telematischen Zeitalter heißt vor allem, Prime-Time Leadership zu übernehmen, das heißt, die Abendnachrichten zu dominieren." Falls sie es nicht eh schon wussten, haben die politischen Verantwortlichen dieses Wort von Thomas Seifert allzu gut beherzigt. Der schrieb die Titelgeschichte über "politisches Leadership" - Führung trauten wir uns nur in Zusammenhang mit Führungskrise zu sagen.

Den Politikteil dominierte ein Streitgespräch über den Begriff "Heimat". Doris Knecht und Bernhard Odehnal spannten die Gruppe Attwenger, bekannt durch ihre neue Interpretation von Volksmusik, und den Politiker Erhard Busek zusammen, damals Obmann der ÖVP und Wissenschaftsminister. Anlass: Die ÖVP präsentierte ein Positionspapier, in dem sie Heimat als "Raum für eine neue Politik" definierte. Das Gespräch verlief kontrovers. Auf die Frage nach der persönlichen Heimat sagte Busek, er sei aufgewachsen zu einer Zeit, als man stolz war, dass es Österreich wieder gab. "Sagen Sie einfach statt Heimat was anderes", schlug Attwenger-Mitglied Markus Binder vor, etwa "sich Verlieren". Busek war damit nicht zufrieden.

"Busek: In der Verlorenheit können Sie nicht zu Hause sein. Ein Staat oder ein Gemeinwesen kann nie Verlorenheit anbieten ( ) und wenn Sie sich wohin bewegen, müssen Sie auch von wo herkommen.

Hans-Peter Falkner (der zweite Attwenger): Und das muss ich immer genau wissen?

Busek: Das würde ich Ihnen schon dringend empfehlen. Sonst kommen Sie nämlich nirgendwo an.

Binder: Ich stehe auf die Verwirrung, muss ich Ihnen sagen. Ich kann nicht anders.

Busek: Die Chaos-Theorie ist momentan sehr populär.

Falkner: Die Heimat ist auch populär und das ist auch nicht gut. Die Heimat ist zu populär -das ist nix.

Busek: Also dann wünsche ich Ihnen kein Publikum, dann werden Sie nie populär.

Binder: Leider sind wir's schon."


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