Fragen Sie Frau Andrea

Darum für Arsch und Friedrich

Kolumnen | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Liebe Frau Andrea,

gerade eben unterhalten wir uns im Kolleginnenkreis über eine administrative Änderung eines Arbeitsablaufes, und mir entschlüpft die Wertung: "Das ist ja wieder einmal für A und F!" Darauf eine junge einfühlsame Kollegin: "Was kann denn eigentlich der Friedrich dafür?" Unsere Frage: Warum wird der Arsch so gerne mit dem Friedrich zusammen erwähnt? Mit lieben Grüßen

Christian Hochmeister, per NSA-Archivalie

Lieber Christian,

die Frage nach der mysteriösen Partnerschaft zwischen Gesäß und Fritz wurde hier schon vor einigen Jahren erörtert. Im Sinne des Diktums, nach dem Journalismus Wiederholung sei, wollen wir den Kienspan der Erkenntnis nochmal auf das bekannte Zitat richten.

Die blumige Redewendung hat ihren Kristallisationskeim in einer Geschichte, die im späten Mittelalter spielt und im zweiten Band der berühmten Zimmerischen Chronik beschrieben wird. Die ausladende Familiensaga der schwäbischen Herren und Grafen von Zimmern wurde 1540 bis 1566 von einem derselben, Froben Christoph von Zimmern, verfasst und darf als adelige Seifenoper aus dem 16. Jahrhundert wahrgenommen werden. Unser Zitat findet sich in einer urbanen Legende, die am Hof des Habsburger-Kaisers Friedrich III. spielt. Hauptdarsteller ist ein gewisser Graf Hainrich von Hardek, genannt der "Brüeschenk", in spätmittelalterlicher Diktion jemand, der verdünnten Wein ausschenkte, übertragen ein schwacher, nachgiebiger Herr. Besagter Graf Hardek will "vor kaiser Friderrichen dem dritten ein schöne redt thon", eine schöne Rede schwingen, also höfisch gestelzt sprechen - rappen würde man wohl heute sagen.

Hardek vergeigt das poetische Impulsreferat mit den Worten: "Es reimpt sich das gar nit, so wenig, als ars und Friderrich." Der Habsburger, leicht indigniert, zahlt in gleicher Münze zurück: "Ei, warumb nit dreck und Hainrich?" Scheißdreck und Heinrich sind vergangen. Nicht aber Arsch und Friedrich. Zumindest besagter Herrscher kann jederzeit in Wien aufgesucht werden.

Das imposante Grabmal Friedrichs III., aus fleckig-rotem Adneter Marmor gemeißelt, befindet sich im rechten Seitenschiff des Stephansdomes.


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