Film Neu im Kino

Savannengandalf mit Rest an Politik: ,,Mandela"

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Spätestens wenn am Ende der freigelassene ANC-Führer Nelson Mandela im TV zu friedlichem Wahlkampf aufruft und Parallelschnitte seine Quasi-Kontrahenten, Südafrikas letzten Apartheid-Präsident de Klerk und Mandelas, ihm entfremdete Frau Winnie, beim Fernsehen zeigen, ihn angespannt rauchend, sie im Hass entnervt saufend, dann ist klar, was eh immer schon Konsens war: Der Mann ist ein Heiliger, jenseits des Hickhacks der Politik, so sehr ohne Arg und Laster (wie Nikotin und Nerven, Alkohol und Aggression), dass er das Schnöde am Menschlichen transzendiert.

Das Wochen vor seinem Tod fertiggestellte südafrikanisch-britische Biopic "Mandela" führt in braven Bilderbögen (flott und öd) von Mandelas Anwalts-, Kampagnen-, Untergrundund Gefangenenzeit bis zum Präsidentschaftsantritt, wobei "Der lange Weg zur Freiheit"(Titel-Byline) einer Linie folgt, auf der ein zeitweiser Protokommunist immer weiser, sein Haar immer weißer wird. Mandelas Gandalfisierung ist Produkt einer antipolitischen Medienkultur. Rezente Mandela-Filme setzten punktuell andere Akzente (Erziehungsroman weißer Rassisten: "Goodbye Bafana", 2007; Verhandlungspolitik, mit Chiwetel Eijofor als Mandelas Nachfolger Mbeki: "Endgame", 2009; ein medienpopulistischer Nation-building-Coup in Eastwoods "Invictus", 2010). Justin Chadwicks "Mandela", mit dem Briten Idris Elba in der Titelrolle, tritt nun zur Kompletteinzementierung des Mandela-Mythos in Leinwand an. Alle um ihn sind Staffage; komplementär zum Übermenschlich-Edlen feiert eine Savannensonnen-Rahmenkonstruktion kindlichen Einklang von Herz und Natur.

Aber alles kann der Film auch nicht ruinieren. Ein Dialog, in dem Mandela darlegt, nicht nur Straßenkrawall, auch eine ungerechte Gesellschaftsordnung sei Gewalt, sowie Szenen mit Agitationsreden, Fäusteballen und Massenchören behalten einen Rest an Reiz.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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