Vom Aufbruch bis zum Scheitern

Die Künstlergrößen Lissitzky und Kabakov treffen in einer groß angelegten Schau im Kunsthaus erstmals aufeinander

Steiermark | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 05/14 vom 29.01.2014

Es ist ein Kuratorengroßaufgebot, das die Ausstellung "El Lissitzky - Ilya und Emilia Kabakov" betreut. Sechs Kunstsachverständige werden Hand anlegen, neben Ilya und Emilia Kabakov sind dies etwa Charles Esche und Universalmuseum-Joanneum-Intendant Peter Pakesch. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Charles Esche ist der Chef des Van Abbemuseum im niederländischen Eindhoven. Dort wurde die Ausstellung, die zwei außerordentlich bedeutende Künstlerpositionen der ehemaligen Sowjetunion gegenüberstellt, voriges Jahr das erste Mal gezeigt. In einer adaptierten Version eröffnet sie dem Motto "Utopie und Realität" folgend diese Woche in Graz. Hauptverantwortlich für die Auswahl der Kunstwerke war das auf Long Island in der Nähe von New York lebende Künstlerpaar Kabakov. Es ist das erste Mal, dass die Künstlergrößen Lissitzky und Kabakov in einer Ausstellung aufeinanderprallen.

El Lissitzky (1890-1941) und Ilya Kabakov (1933) stehen für "zwei aufeinanderfolgende Generationen des Aufbruchs und die Implementierung der kommunistischen Visionen", für deren "bildgewaltige Konstruktion", aber auch für die "spätere Dekonstruktion". Lissitzky gilt als Vordenker der russischen Avantgarde, mehr als 40 Originalarbeiten aus den Jahren 1919 bis 1930 werden zu sehen sein. Zudem auch Rekonstruktionen von Modellen des Universalkünstlers und Architekten als "räumliche Gesamtkunstwerke". Demgegenüber entwerfen die installativen und malerischen Arbeiten der Kabakovs ein, wie es heißt, "Bild von bodenständiger Realität, gepaart mit konzeptueller Metaphysik".

Mit den Worten von Charles Esche ausgedrückt: Während der Künstler traditionell als jemand gilt, der unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält, soll er doch gleichzeitig auch eine neue Welt entwerfen. Diese beiden Parameter werden sich nun in der Ausstellung in einem "Aufeinandertreffen von Fiktionen, Realitäten und Zeiten" matchen. Vom Aufbruch bis zum Scheitern einer Utopie.

Kunsthaus, Graz, Do 19 Uhr (Eröffnung)


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