Kommentar Fernsehen

Larissa Marolt wurde im Dschungel zur Post-Trash-Ikone

Falter & Meinung | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Die Show "Ich bin ein Star -Holt mich hier raus!" ist zu Ende und damit eine der erstaunlichsten TV-Inszenierungen der letzten Zeit. Aus dem Fernsehen bekannte Figuren leben 14 Tage lang im sogenannten "Dschungelcamp". Sie werden rund um die Uhr von Kameras gefilmt, müssen Prüfungen bestehen und sich beim Publikum beliebt machen, um möglichst lange dabeizubleiben.

Auf den Sieger bzw. die Siegerin wartet die Krone des Dschungelkönigs bzw. der -königin. Die achte Ausgabe war die bisher erfolgreichste Staffel der RTL-Produktion. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand dabei die Kärntnerin Larissa Marolt. Auch wenn sie nicht die Krone gewann, war sie der eigentliche Star. Warum?

Marolt ist mit ihren 22 Jahren eine Show-Veteranin, nahm sie doch bereits 2009 an der Castingshow "Germany's Next Topmodel" teil. Sie verkörpert somit einen Typus von Darstellerinnen, die den Zynismus des Privatfernsehens genauso intensiv studiert haben wie Sisi das spanische Hofzeremoniell. Selbst unter den Bedingungen totaler Entfremdung, von Überwachung und Bestrafung vermittelte Marolt indes den Eindruck ungebrochener Authentizität.

Das Personal der " Dschungelcamps" seit 2004, von Costa Cordalis bis Brigitte Nielsen, ließ sich bisher als Abfall der Unterhaltungsindustrie vorführen. Marolt wurde zur Protagonistin eines Post-Trash-Dramas, gegen dessen Vouyerismus und Sadismus sie sich immun zeigte. Was in der zeitgenössischen Kunst unter dem Schlagwort Institutionskritik eher Gähnen hervorruft -die Voraussetzungen des eigenen Handelns sichtbar zu machen -, übersetzte Marolt in kurzweilige Unterhaltung. Sie ist die Kaiserin der Casting-Gesellschaft.


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