Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Enttäuschung

Falter & Meinung | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Werner Vogt schlug eine "Zilk-Stiftung gegen rechts" vor. Aus der wurde aber nichts. Dafür fasste Vogt den Stand der Bildungsdebatte zusammen: "40 Prozent der österreichischen Bevölkerung und die Hälfte aller arbeitssuchenden Frauen weisen außer dem Pflichtschulabschluss, also: kleines Einmaleins, gefühlsmäßige Rechtschreibung, Übergewicht und Haltungsschäden, keine wesentliche Qualifikation auf. Die Beatles waren die letzten Pädagogen, die Anreiz zum Erlernen einer Fremdsprache boten ( )."

Kein Wunder, dass die Leute arbeitslos würden. "Ohne Qualifikation rutscht man in die mindeste Arbeit zum schlechtesten Lohn. Jede weitere Arbeitslosigkeit zwingt den Arbeitssuchenden zu noch größerem Verzicht, zwingt ihn in die unhaltbare Herr-und-Knecht-Perspektive. Gewerkschaft und Betriebsräte organisieren in der Zwischenzeit Kegelabende, vertreiben billige Karten für schlechte Kultur, pflegen harmlosen Umgang mit jenen Herren, die die Herrenmentalität am Arbeitsplatz ungeniert ausleben. Soziologen beschrieben dies alles als ,neue Armut'. Eigentlich aber ist es die Wiederbelebung alter, schrecklicher Zustände."

Der neuen Armut widmete sich die Aufmachergeschichte von Andrea Kästle und Klaus Zellhofer. Bernhard Odehnal und Arpad Hagyo spürten dem Schicksal der in die Sowjetunion geflohenen Kämpfer des Februar 1934 nach. Mehr als 200 von ihnen wurden erschossen, starben in Stalins Gulag oder wurden an die Nazis ausgeliefert.

Im Kulturteil regierte Enttäuschung. Birgit Kellner berichtete von den "Theorieperformances" der Theoriegruppe bilwet (Geert Lovink und andere). Theorieperformance? Lovink: "Das Gute ist, das es nicht klappt. Wir garantieren Enttäuschung."

Thomas Mießgang sprach mit dem Theoretiker der Schlagergruppe Scheitel, Fritz Ostermayer. Auf die Frage nach der Pöbelhaftigkeit, die der Band aus dem Publikum entgegenschlage, wenn sie Hans Orsolics' "Mei potschertes Leben" nachsinge, antwortete er: "Wie dem begegnen? Durch handverlesene Gäste? Ich bin ratlos." AT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige