Enthusiasmuskolumne Diesmal: Das lustigste Volk der Welt

Selig jene, die sich selber nicht verstehen

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Lange Zeit waren die Dänen einfach nur Typen, die einen sehr flachen Landstrich bewohnen und sehr flache Stereoanlagen designen. 1992 dann rutschten sie anstelle der mit Kriegführen beschäftigten Jugoslawen in die Endrunde der Fußball-EM, besiegten Deutschland im Endspiel mit 2:0 und hielten daraufhin über Monate Platz eins in den Sympathiecharts europäischer Völker.

Seitdem behält man die Dänen im Auge, weil man weiß: Der Däne und die Dänin sind -außerhalb des Alpinskisports -stets für eine Überraschung gut. Dass sie zum Beispiel ein besonders glückliches Völkchen sind - quasi die Kanadier Europas -, konnte niemanden mehr überraschen.

Gut und gerne hätten die Dänen alleine glücklich sein können auf ihrem flachen Land, wären sie nicht auch medial auffällig geworden. Mit Filmen wie "Dancer in the Dark","Antichrist" und "Melancholia" konnte sich Lars van Trier als der Lachsack unter den europäischen Autorenfilmern etablieren, und das "dänische Fernsehwunder" war zuletzt in aller Munde: Serien wie "The Killing" (mit Kommissarin Lund), die dänisch-schwedische Koproduktion "The Bridge" oder die Polit-Serie "Borgen" galten vielen als die Antwort der alten Welt auf die Serienerfolge des US-Programmanbieters HBO.

Ein nicht geringer Anreiz, sich die genannten Serien anzusehen, ist der Umstand, dass Dänisch unglaublich komisch klingt. Verstehen tut es sowieso keiner, auch die Dänen nicht: "The Danish language has collapsed into meaningless guttural sounds", ("meningløse gutterale lyder")beklagt sich ein Däne in einem unpackbar lustigen Youtube-Video ("Danish Language"). "Please help us!", ergänzt sein Landsmann. Das werden wir tun. Wir lernen jetzt Dänisch und bringen es dann den Dänen bei!


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