Stadtrand Urbanismuskolumne

Die zwei Bettler von Meidling

Stadtleben | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Üblicherweise wird die Autorin dieser Zeilen im Winter immer von zwei überaus hartnäckigen Schnorrern zur U-Bahn begleitet. Ganz in Schwarz humpeln und hopsen sie die Straße entlang und fordern penetrant ihren Wegzoll ein. Wenn nicht abfällt, was erwartet wird, sind ihre Schreie im ganzen Viertel zu hören.

Es sind zwei Krähen, die krächzend neben ihr her flattern und auf eine Handvoll Erdnüsse warten. Normalerweise endet die Schnorraktion mit viel Gekeppel und Gezanke, und der gewieftere der beiden Vögel sackt die meisten Nüsse ein, indem er sie schon im Flug abfängt. Kein Wunder, dass man diese Vögel auch gefiederte Affen nennt.

Heuer aber lassen sie völlig aus: Es sind kaum Krähen in der Stadt zu sehen, und auch das lästige Pärchen hat sich bislang noch nicht blicken lassen. Anstatt des rauen Gekrächzes hört man morgens das Trällern kleiner Singvögel. Offenbar hat dieser bis jetzt so milde Winter für ganz schöne Verwirrung im Vogelreich gesorgt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kälte nicht auch noch bei uns mit aller Härte zuschlägt. F


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