Ein Purist und Kommunist, der seine Botschaft mit dem Banjo verbreitete

Feuilleton | NACHRUF: ROBERT ROTIFER | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Wie kaum ein anderer verkörperte Pete Seeger den Menschentraum vom gelungenen Leben. Als er letzte Woche nach kurzer Krankheit 94-jährig verstarb, konnten sich selbst seine politischen Gegner auf seine eminente Bedeutung als großer Archivar und Kommunikator des amerikanischen Folk einigen.

Das war längst nicht immer so. Die 1930er-und 40er-Jahre verbrachte der aus einem pazifistischen Musikologenhaushalt stammende Harvard-Abgänger und Banjo-Virtuose auf Reisen durch die USA in Gesellschaft befreundeter Größen wie des Musik-Feldforschers Alan Lomax, des Dustbowl- Poeten Woody Guthrie oder des Folk-Blues-Sängers Huddie "Leadbelly" Ledbetter. Mit seiner Band The Weavers popularisierte Seeger nach dem Krieg dessen Song "Goodnight, Irene", sowie didaktische Hits wie das hebräische Lied "Tzena, Tzena, Tzena" oder die arbeiterbewegte Eigenkomposition "If I Had a Hammer".

In den 1950ern landete der zu diesem Zeitpunkt bereits parteilose Kommunist auf den schwarzen Listen der US-Fernsehanstalten und schließlich vor Senator McCarthys Komitee für Unamerikanische Aktivitäten. Unerschrocken fand er seine neue Rolle als Mentor der keimenden Folk-Revival-Szene im New Yorker Greenwich Village. In den Sagenschatz des Pop ging Seeger als wütender Akustikfundamentalist ein, der bei Bob Dylans elektrischer Neugeburt in Newport 1965 die Stromkabel mit einer Axt zu kappen versuchte (allerdings eine Legende). Unversehens wurde er selbst Teil der Folk-Rock-Welle, als die Byrds seine Vertonungen eines Bibelverses und zweier Gedichte ("Turn! Turn! Turn!", "The Bells of Rhymney","I Come and Stand at Every Door") elektrisch neu interpretierten.

Doch Pete Seeger war alles recht, was seine Botschaft weitertrug. Er war instinktiver Purist, aber kein Dogmatiker und erst recht nicht elitär. Bis zu seinem Ende blieb er politisch und musikalisch aktiv, zuletzt im Zeichen der "Occupy Wall Street"-Bewegung. Er überlebte seine Frau Toshi, nach fast sieben gemeinsamen Jahrzehnten, um ein halbes Jahr. F


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