Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Viel Luft bleibt da nicht mehr

Steiermark | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Oberwölz, Spital am Semmering, Hieflau -hier und in 20 weiteren steirischen Gemeinden werden die Polizeiinspektionen bald verwaist sein. Auch wenn das Innenministerium gute Argumente für Schließungen kleiner Posten sieht: Für den ländlichen Raum sind sie eine weitere Hiobsbotschaft. Dass etwa die Wildalpener nicht darüber jubeln, dass die nächsten Polizeistationen künftig 30 bzw. 43 Kilometer entfernt sind, kann man ihnen kaum verdenken. Gerade in der Steiermark wurde zuletzt rasant zugesperrt und eingestellt: Schulen, Spitalsabteilungen, Postämter, Bezirksgerichte, Buslinien. Und obgleich einige Gemeindefusionen sinnvoll erscheinen, so gehen auch sie mit einem Abbau an Infrastruktur einher. Den "Sicherheitsknopf" am Gemeindeamt, den die Ministerin als Trostpflaster für gesperrte Polizeistellen verkauft, gibt es nicht überall: weil das Gemeindeamt auch schon weg ist. Umzukehren ist der Trend zur Verwaisung ganzer Landstriche wohl nicht mehr. Für Murau, Mürzzuschlag, Leoben und Judenburg werden die stärksten Schrumpfungsraten von ganz Österreich prognostiziert -bis zu einem Fünftel weniger Menschen bis 2050. Die Frage ist: Ist die Politik, sind wir darauf vorbereitet? Gibt es einen Plan für all die alten Leute, die ohne Hilfe weder Milch kaufen noch ein Paket aufgeben können, weil sie allein einfach keine fünf Kilometer weit kommen? Wie soll das öffentliche Leben in den ausgedünnten Regionen in zehn, 20 Jahren aussehen? Bestrafen wir nicht in Wahrheit alle, die noch dort leben -und wollen wir das? Derzeit ist keine Idee in Sicht, außer alles zuzusperren. Oder wie ein Provinzsteirer meint: "Ein Wunder, dass sie uns noch Luft runterlassen." F


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