Ein Mann für alle Kragenweiten. Der Schauspieler Philip Seymour Hoffman ist tot

Feuilleton | NACHRUF: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Es wäre pietätlos, seinem frühzeitigen Tod auch noch eine Pointe abzugewinnen, aber dass Philip Seymour Hoffman vergangenen Sonntag an einer Überdosis verstarb, es passt irgendwie zu den Charakteren, die er auf der Leinwand verkörperte. Zu Hoffmans Spezialität zählten verhuschte, verdruckste und verklemmte Figuren, die das eigene Unglück buchstäblich ausdünsteten: der dauerwichsende Stalker Allen in Todd Solondz' "Happiness" (1998) etwa oder der todunglückliche, tragisch talentlose und so elend endende Räuber in Sidney Lumets "Before the Devil Knows You're Dead"(2007).

Der eigene, eher feiste denn wuchtige Körper des ehemaligen Ringers war die Basis von Hoffmans Spiel, wie er selbst einmal eingestand: Seine physiognomische Virtuosität sei nicht so ausgeprägt, also müsse er sich auf seine Physis verlassen. Dass der mehrfach Nominierte seinen Oscar als bester Darsteller ausgerechnet mit der Titelrolle aus "Capote"(2005) bekam, für die er das zirpende Lispeln und die gestischen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige