Kunst Kritik

Vom Untergrund zur verflossenen Liebe

Lexikon | NS | aus FALTER 06/14 vom 05.02.2014

Der Begriff der "Transition" wurde in den letzten 20 Jahren am häufigsten für den Systemwechsel in den ost-und südosteuropäischen Länder gebraucht. Die von Gülsen Bal und Walter Seidl kuratierte Gruppenschau "Places of Transition" im Freiraum des Museumsquartiers möchte den Übergang nun in einem breiteren Sinn fassen, sowohl was die Beschränkung auf die politisch-ökonomische Seite als auch die geografische betrifft. Dieses Vorhaben lösen die Beiträge jedoch nur teilweise ein, denn Arbeiten wie Santiago Sierras Verbrennung der Buchstabenskulptur "Future" oder das ausgestellte Zaunstück samt Stacheldraht von Vikenti Komitski bleiben im Plakativen.

Zu den überzeugendsten Arbeiten der neun Beiträge zählt Marco Polonis Wandinstallation "Monica Ertl's Pistol". In Hamburg wurde 1971 der bolivianische Konsul Roberto Quintanilla Pereira von der Untergrundkämpferin Monica Ertl erschossen. Neben dem groß reproduzierten Bild von dessen nackter Leiche rollt der Künstler die Zusammenhänge auf, die von der Exekution Che Guevaras bis zum Verleger Giangiacomo Feltrinelli reichen. Interessant machen die Recherche Ausschnitte aus einem Film über einen bedrohten Indianerstamm, in dem die Attentäterin mit ihrem Vater Hans Ertl, dem ehemaligen Kameramann von Leni Riefenstahl, mitwirkte. Poloni fragt so nach den Kontinuitäten von NS-Regime zu linker Gewalt.

Aufwendige Recherchen betrieb Oliver Ressler in Armenien, wo er die Privatisierung von Fabriken und den damit verbundenen ökonomischen Niedergang dokumentiert hat. Seine Doppelprojektion lässt Kleinhändler auf einem Markt in Yerewan zu Wort kommen. Akram Zaataris Video zeigt eine Unterhaltung im Stil eines Chats - allerdings mit einer alten Schreibmaschine geschrieben. Der Wechsel der Medien wird hier auf schöne Weise mit der Geschichte einer alten Liebe verknüpft.

Freiraum, Museumsquartier, bis 13.3.


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