Am Apparat  

Wie lange haben Sie mitgetanzt, Herr Schreuder?

Telefonkolumne

Politik | Anruf: Joseph Gepp | aus FALTER 07/14 vom 12.02.2014

Virales Marketing nennen Werbeexperten das, was die Wiener Grünen jetzt mit ihrem Youtube-Spot "Happy“ probieren. Darin sieht man einfach nur junge Menschen zu Pharell Williams’ Musikhit tanzen - und zwar mitten auf der Mariahilfer Straße.

Mit diesem Video, das bereits 100.000-mal angeklickt wurde, soll die Zielgruppe der 30-Jährigen für die anstehende Anrainerbefragung zur umstrittenen Verkehrsberuhigung der Einkaufsstraße mobilisiert werden. Diese Gruppe ist entscheidend. Denn die Älteren, die mehrheitlich gegen die Fußgängerzone sind, wollen laut Umfragen ohnehin brav abstimmen gehen. Auch im Spot zu sehen: der grüne Bundesrat Marco Schreuder.

Herr Schreuder, wie lange tanzten Sie?

Ich habe die ganzen vier Minuten durchgetanzt. Im Video zu sehen bin ich aber nur auf zwei kurzen Ausschnitten von wenigen Sekunden.

Es hat über 100.000 Klicks. Warum?

Ich glaube, es vermittelt einfach gute Stimmung. Übrigens erreichen Sie mich jetzt gerade auch in der Esterházygasse. Wir klappern hier die Haushalte ab.

Ist bei all der Kritik am Verkehrsprojekt die Stimmung dort auch so happy?

Sie ist überwiegend positiv. Wir erleben zu achtzig Prozent positive Resonanz auf unsere Argumente - verblüffenderweise auch von Gegnern.

Rechnen Sie damit, dass die Befragung für die Grünen ein positives Ergebnis ergibt?

Ich glaube, dass die Leute auf jeden Fall für die Fußgängerzone stimmen werden. Keine Einschätzung traue ich mir bei den Fragen nach den Querungen für die Autos und den Radfahrern zu.

Es gibt viel Kritik an der Befragung, zum Beispiel an der Frage der datenschutzrechtlichen Basis.

Als Bundesrat verlasse ich mich hier auf meine Wiener Parteikollegen, sie haben das organisiert. Die Adressen beispielsweise stammen aus der Wählerevidenz - darauf greifen auch ÖVP und FPÖ regelmäßig zu.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige