Mediaforschung  

Als Bob Dylan patriotisch seine Seele an Chrysler verkaufte

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 07/14 vom 12.02.2014

111,5 Millionen Amerikaner haben das Footballfinale zwischen den Seattle Seahawks (Gewinner) und den Denver Broncos (Verlierer) vor ihrem Fernsehkastl verfolgt, und wenn sie in der Werbepause nicht gerade auf dem Häusl waren, dann haben sie wohl auch den Autobahnwegweiser zum Kärntner Katschberg gesehen. Das Bild stammt aus einer Fotodatenbank, Chryslers Werbefritzen haben es als Illustration für folgenden Satz verwendet: "Was Detroit geschaffen hat, wurde eine Inspiration für den Rest der Welt.“ Bei den Worten "Rest der Welt“ kommt die Katschberg-Hinweistafel ins Bild.

In den USA hat die Werbung hohe Wellen geschlagen (siehe auch Seite 21), aber nicht wegen der Tafel, sondern weil der Autoriese niemand Geringeren vor den Werbekarren spannte als den Musiker Bob Dylan, die US-Ikone der Protestbewegung. Schwülstig spricht er im Spot darüber, was die USA ausmacht. Bob Dylan glaubt, es sei die US-Autoindustrie.

"Lass Deutschland dein Bier brauen. Lass die Schweiz deine Uhr machen“, sagt Dylan, "wir werden deinen Wagen bauen.“ Dylans Fans zürnten. Der politische Rebell als geschniegelter Autotandler? Was für ein Seelenverkauf! So etwas bleibt nicht lange unverarscht. US-Starblödler Conan O’Brien ergänzte den Spot in seiner TV-Show um eine Zeile: "Wir werden deinen Wagen bauen. Zumindest die Teile, die nicht in Kanada oder Mexiko gebaut werden.“ Drei Sekunden - und die zweiminütige, von USA-Patriotismus geschwängerte Story war entlarvt und dahin.


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