Der Tempel des schwarzen Humors


Rezension: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 07/14 vom 12.02.2014

Jos de Gruyter und Harald Thys tauchen die Kunsthalle Wien in ein perverses Weiß

Keinen Bock auf Wiederholung hatten die belgischen Künstler Jos de Gruyter (Jg. 1965) und Harald Thys (Jg. 1966), als sie die Wiener Version ihrer Retrospektive planten, die 2013 in Antwerpen stattfand. Dort war eine Auswahl von Werken ihrer bislang 20-jährigen Zusammenarbeit zu sehen. In Wien blieb davon freilich nur eine einzige Installation übrig. Die Videos, die den Ruhm des Künstlerduos begründeten, laufen im Filmraum der Kunsthalle Wien.

Betritt man den großen Saal, eröffnet sich ein Anblick von edler Einfalt. Links und rechts vom Mittelgang stehen schlanke weiße Blöcke, an denen Zeichnungen hängen. In der Blickachse ragt ein ebenfalls weißer Brunnen empor; Wasser träufelt aus den Mündern von Maskengesichtern.

Die Deckenwölbung verstärkt die sakrale Anmutung noch. Das Ganze wirkt so, als hätte ein postmoderner Architekt in den 1980er-Jahren eine Ausstellung über den Jugendstil gemacht,

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