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Falters Zoo | aus FALTER 07/14 vom 12.02.2014

Peter Iwaniewicz findet, dass uns diese Fakten nicht einerlei sein sollten

Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“. Dieser bundesdeutsche Schlager hätte gut als musikalische Untermalung zum neuen "ZiB 24“-Talk der letzten Woche gepasst. Die deutsche Femen-Aktivistin Zana Ramadani forderte dort, "Merkel müsste Putin endlich einmal an den Eiern packen“. Der als Präsident des Brüsseler EU-Russland-Zentrums mitdiskutierende Erhard Busek stieß sich zwar anfänglich an dieser Wortwahl, war dann aber an Details durchaus interessiert: "Putin an den Eiern zu packen ist ja schön und gut, aber wie macht man das praktisch?“

Ich frage mich vielmehr: Wie macht man das richtig? Denn die Hodenpalpation ist als Tastuntersuchung der männlichen Keimdrüsen eine der wichtigsten urologischen Maßnahmen zur Erkennung von Hodenkrebs. Aber ein solcher wurde dem russischen Präsidenten nicht diagnostiziert, und so blieb die Frage im Raum stehen, bzw. hängen.

In Internetforen finden sich Anleitungen, wie man durch manuelle Dehnung des Musculus cremaster, des Hodenhebers, eine herannahende Ejakulation verzögern kann. Aber auch dies wurde im "ZiB 24“-Talk als passende Behandlung der Putin’schen Testikel nicht weiter erörtert.

Offenbar spielt das Abtasten der männlichen Keimdrüsen unter Menschen eine wichtige Rolle. Als 1962 durch die Stationierung sowjetischer Atomwaffen auf Kuba der Kalte Krieg eskalierte, meinte der damalige Regierungschef der UdSSR, Nikita Chruschtschow: "Damit packen wir Kennedy bei den Eiern.“

Die Männer der meisten Säugetierarten tragen ihren Hoden außerhalb des Körpers. Nur Elefanten, Wale und Ameisenbären lassen ihn nicht aus der Leibeshöhle absacken, während Nagetiere und Fledermäuse ihn zwischen den Fortpflanzungsperioden wieder ins Körperinnere zurückziehen. Das hat meistens funktionelle Gründe, denn wütende Ameisen am Gehänge verderben einem Ameisenbären schon mal den Appetit. Bei Fledermäusen vermute ich, dass weniger die gestörte Aerodynamik als die unästhetische Baumelei während des Fluges bei der evolutiven Auslese eine Rolle gespielt hat.

In einer Welt, in der es auf Größe ankommt, stehen wir unter Menschenaffen eher schlecht da: Die Hoden von Gorillas wiegen ca. 35 Gramm, Schimpansen bringen stattliche 120 Gramm auf die Waage und Menschenmänner gerade einmal 20 Gramm. Das sind wahrscheinlich die Folgen dieser dauernden Eierpackerei.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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