In drei Schritten zum Dichterhimmel: G.R.A.M., Grünling und Eisenberger

Steiermark | KUNSTKRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 07/14 vom 12.02.2014

Die Galerie Remixx bahnt einen unterhaltsamen Weg in die Gefilde poetisch-künstlerischer Weltaneignung entlang von drei einander widerspruchsfrei zugetanen Positionen. Das Künstlerduo G.R.A.M. bleibt dabei noch am Boden beiläufiger Notizen. 2006 hat es ein Stipendium genutzt, um China nach verwertbaren Motiven abzusuchen, und sie in Wandzeitungen gefunden, welche den chinesischen Alltag bestimmen und auch noch für verquere Motivüberlagerungen gut sind. Abgelichtet und an Ort und Stelle ausgeplottet, werden daraus Unikate, die nach gehörigem Kontextwechsel die weit gereiste Verwandtschaft häuslicher Tagträumereien abgeben.

Währenddessen hat Christian Eisenberger die Umrisse des Reichs der Mitte im Asphalt gesucht und in trashigen Collagen selbst Hand an die mediale Hochglanzoberfläche gelegt. Damit lässt sich die Wirklichkeit immer noch am einfachsten ins Surreale weiterspinnen. Heraus kommt die Erkenntnis, dass sich hierzulande der "Totale Krieg" inzwischen am ehesten hinter Schlafzimmertüren abspielt und die ärgsten Predigten von Dominas gehalten werden. Die Kunst werden sie dem toten Hasen freilich nicht erklären.

Das hat schon Joseph Beuys getan und Karl Grünling hat es, dem Kunsterziehungspapst in memoriam, wiederholt. Die Viecher verbringen nun - en miniature, doch selig - ein lauschiges Leben innerhalb von kleinen Wandaltärchen, die sich Grünling zur Selbstund Fremdbespiegelung gebastelt hat. Jeder ein schnuckeliger Parnass samt klassischer Hainbepflanzung. Hier kann sich der geneigte Dichter austoben, bis auch er blau ist. F Galerie Remixx, Graz, bis 22.3.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige