Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Wenn Kinder schweigen

Steiermark | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrs wurden schwere sexuelle Übergriffe zwischen Bewohnern von Jugend-WGs der Stadt Graz bekannt. Mehrere Mädchen, zu Beginn teils keine zehn Jahre alt, hatten sich ihren Betreuern trotz wiederholter Gewalterlebnisse nicht anvertraut. Wer oder was ist nun daran schuld?

Eine Garantie, dass so etwas nicht passiert, gibt es nie. Immerhin kommen in Jugendwohngruppen hochbelastete Kinder zusammen. Die WGs können aber präventiv mit Jugendlichen und Mitarbeitern an dem Thema arbeiten und einen Plan für den Krisenfall entwickeln. Das habe die Stadt Graz zu lange verschlafen, konstatiert Yvonne Seidler von der NGO Hazissa, mit der Aufbereitung der ersten Grazer Fälle betraut. Sie sagt aber auch: Damit ist die Stadt nicht allein. Und: Es hätte auch in anderen Einrichtungen passieren können. Sie wie auch die steirische Kinderanwältin Brigitte Pörsch sehen die Vorfälle als Folge zu knapper Mittel. Besonders seit dem letzten Landessparpaket, wo Betreuungsschlüssel gesenkt wurden, klagen Betreuer über zu wenig Zeit für die teils traumatisierten Kinder. Auch an therapeutischen Hilfen fehle es oft.

Im Büro von SP-Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser verweist man auf eine neue traumapädagogische Gruppe und ein Pilotprojekt zur Gewaltprävention sowie auf verstärktes Bemühen um individuelle Hilfen. Zurückhaltend zeigt man sich zur Frage, ob es für die Betreuung wieder mehr Geld geben könnte. Nulldefizit, schon klar. Klar ist aber auch: Solange die Betreuer nur mit Ach und Krach ihre Dienste abspulen können und zu wenig Zeit für Supervision und Weiterbildung bleibt, so lange bleibt auch das Risiko für Eskalationen erhöht.


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