Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Ewald Stadler angeklagt: versuchte Nötigung und Falschaussage

Politik | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Der EU-Abgeordnete Ewald Stadler verlor kein Wort über seine bevorstehende Gerichtsverhandlung. Dabei sprach er gezählte 40 Minuten, es sprudelte nur so aus ihm heraus. Euphorisch stellte er im Café Museum das sechsseitige Parteiprogramm der "Rekos - Die Reformkonservativen" vor, das er in den vergangenen Wochen ausgearbeitet hatte. Es beginnt mit den Worten: "Der Mensch ist das Ebenbild Gottes".

Die Rekos sind Stadlers dritte Partei. 2007 war er nach wüsten Streitereien mit den Freiheitlichen aus der FPÖ gedrängt worden, wechselte im Jahr darauf zum BZÖ und wurde dort 2013 wegen "parteischädigenden Verhaltens" ausgeschlossen. Seit er vor zwei Monaten die christlich-reaktionären Rekos gegründet hat, ist Schluss mit dem Hinauswerfen; jetzt ist er selbst der Chef. Seine Partei ist gegen Abtreibung, gegen das Ehe-und Adoptionsrecht für Homosexuelle, gegen Political Correctness und gegen Umweltzerstörung. "Der Auftrag zum verantwortungsvollen Gebrauch der Schöpfung verpflichtet zur Wahrung von Natur und Umwelt", heißt es in Punkt 7 des Programms.

Bevor es in die heiße Phase des EU-Wahlkampfes geht, muss sich Stadler mit Unchristlicherem herumschlagen, ihm macht die sogenannte Paintball-Affäre zu schaffen: Im Jahr 2007 wurden Jugendfotos von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache publik, die ihn bei Waldspielen mit Neonazis zeigen. Stadler, der den blauen Parteichef damals stürzen wollte, gilt als Drahtzieher dieser Affäre.

Seit Jahren hat ihn die Staatsanwaltschaft wegen dieser Causa im Visier. 2013 hob das EU-Parlament Stadlers politische Immunität auf. Bereits vergangenen Herbst brachte die Staatsanwaltschaft einen Strafantrag wegen versuchter Nötigung und falscher Beweisaussage gegen Stadler ein, heißt es auf Falter-Anfrage aus dem Wiener Landesgericht. Die Verhandlung findet am 24. Februar statt.

Knapp zwei Wochen später wollen die Rekos am ersten Parteitag ihr neues Programm beschließen.


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