"Du hast ein kleines Orchester"

Zum Akkordeonfestival: Attwenger-Hälfte Hans-Peter Falkner über das Ziehharmonikaspielen

Lexikon | INTERVIEW: GERHARD STÖGER | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Von 22.2. bis 23.3. heißt es wieder "Alles Quetschn", auf 20 Bühnen bietet das 15. Akkordeonfestival insgesamt 51 Veranstaltungen. Hans-Peter Falkner, 46, ist doppelt mit dabei: Zum Auftakt leitet er einen Workshop, zum Abschluss tritt er mit seiner Band Attwenger auf.

Falter: Herr Falkner, wie ist die Ziehharmonika in Ihr Leben getreten?

Hans-Peter Falkner: Sie ist nicht in mein Leben getreten, sondern sie war immer vorhanden. Wie über ein kleines Möbelstück bin ich als Kind drüber gestolpert und gefallen.

Wann haben Sie die Quetschn dann selbst in die Hand genommen?

Falkner: Wie Helge Schneider einmal richtig bemerkt hat, ist es Schwerstarbeit, das Akkordeon zu spielen, da es ein sehr körperliches Instrument ist. Du brauchst also eine gewisse Größe und zumindest ein bisschen Kraft. In den 70ern hieß es, dass man in die Musikschule geht, wenn man auch mit dem Lesen und Schreiben beginnt. Ich war dann zehn Jahre lang dort.

Haben Sie als Teenager nie damit gehadert, dass die Ziehharmonika womöglich nicht das coolste Instrument der Welt ist?

Falkner: Natürlich habe ich auch gehadert, aber da muss ich jetzt ein bisschen ausholen. Mit dem Akkordeonspielen hat sich mein Vater einst durch die Kriegsgefangenschaft gerettet. Dadurch war für ihn klar, dass Musik zu einer guten Ausbildung dazugehört, ja eigentlich noch wichtiger als Lesen und Schreiben ist. Und das Allerwichtigste ist sowieso das Akkordeon, weil du das Instrument mitnehmen kannst und damit ein kleines Orchester umgehängt hast. Du hast eine Melodieseite, du hast eine Bassseite, und du hast den Mund frei zum Singen.

Die Frage nach einem anderen Instrument hat sich also nie gestellt?

Falkner: Die Frage lautete "Willst du oder willst du nicht?", und Nein zu sagen kam mir gar nicht in den Sinn. Ich habe mich schon gefragt, ob das ständige Üben das Wahre ist, während die anderen Fußball spielten. Seit ich zehn war, haben mich meine Eltern aber auch auf Konzerte mitgenommen. Sie hatten einander durch die Musik kennengelernt und waren jahrzehntelang im Duo unterwegs. Immer unverstärkt. Bei größeren Veranstaltungen war ich dann als Verstärkung dabei. Dadurch habe ich das Wirtshaus-und Tanzmusikhandwerk schon als Kind erlernt. Es war aufregend, in diesem Alter halbe Nächte auswärts zu verbringen, und dass meine Eltern die Gagen immer brav gedrittelt haben, war natürlich auch toll.

Das haben Sie auch in der Pubertät durchgehalten?

Falkner: Ich bin mit den Eltern aufgetreten und sofort anschließend auf Punkkonzerte gegangen, für mich war lange Zeit beides okay. Mit 15,16 haben sich doch gewisse Zweifel gemeldet, die dann im Prinzip mein Großvater ausgeräumt hat. Er war Jahrgang 1896. Irre alt also und auch politisch eine sehr interessante Figur für mich. Durch Schmäh und ein bisschen Blödtun musste er nie einrücken, weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg. Sein Leitsatz war immer: "Zieh nie eine Uniform an!" Er war dann mein Lehrer auf der Diatonischen.

Der was?

Falkner: Der diatonischen Harmonika. In der klassischen Version ist das Akkordeon ein chromatisches Instrument, Zug und Druck ergeben den gleichen Ton. Bei der Diatonischen ist das anders, du hast also doppelt so viele Töne. Es funktioniert auch anders, das hat mich damals gereizt, und er hat mich ermuntert, es auf meine Art und Weise zu spielen, obwohl die im klassischen Sinne nicht richtig war. Er hat mir sehr viel vermittelt, auch über die ganze Gstanzl-Kultur, und das hat mich über diese schwierige Zeit gerettet. Attwenger ist so gesehen nicht 1990 entstanden, sondern da gehört eine lange Vorgeschichte dazu.

Hat Ihr Großvater Attwenger noch miterlebt?

Falkner: Nein, aber meine Eltern sind früher so oft wie möglich bei Konzerten aufgetaucht. Mein Vater hat sich gerne auf die Bühne geschummelt und ein bisschen mitgespielt.

Sie waren mit Ihren Eltern schon beim Akkordeonfestival zu hören. Heuer beginnt es mit einem Workshop von Ihnen. Was erwartet die Teilnehmer?

Falkner: Eine Einführung in die diatonische Harmonika und eine Erklärung, wie man Sounds macht und damit arbeiten kann. Meine Quetschn hängt ja mit dem Laptop zusammen, dadurch ist sie weniger ein Akkordeon als vielmehr ein Multordeon. Ich spiele nicht Ziehharmonika im herkömmlichen Sinne, sondern ich gebe Befehle und schalte über den Computer Klangquellen ein und aus.

Was man beim Festival-Abschluss mit Attwenger einmal mehr erleben kann.

Falkner: Genau. Es wird da auch die eine oder andere neue Nummer zu hören geben.


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