Tiere

Still und starr

Falters Zoo | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Ist unsere Regierung angesichts des Hypo-Alpe-Adria-Debakels in eine Schreckstarre verfallen? Diese Frage stellt sich allen Tierfreunden, die diesen Zustand völliger Bewegungsunfähigkeit von Tieren bereits in der freien Wildbahn beobachten konnten. Werden unsere kleinen Freunde von Raubtieren attackiert, dann reagieren manche von ihnen auf diese plötzliche Stresssituation reflexartig durch Totstellen. Insekten wie z.B. Stabschrecken fallen blitzschnell mit angelegten Beinen um, simulieren so einen Zweig ihrer Futterpflanze und hoffen, für den Angreifer nicht mehr sichtbar zu sein.

Der Effekt, dass manche Tiere in der ihnen aufgezwungenen Position verharren, war bislang nur von einigen Vogelarten wie dem Mauersegler bekannt. Nimmt man diese in die Hand, versuchen sie sich aufgeregt zu befreien. Dreht man sie jedoch auf den Rücken, dann fallen sie sofort in völlige Bewegungslosigkeit, so dass man sie für tot halten könnte. Eine solche Schreckstarre ist in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll, denn manche Feinde reagieren vor allem auf Bewegungen ihrer Beute. Gibt es keine andere Fluchtmöglichkeit, dann besteht eine kleine Chance, im Starrezustand überleben zu können.

Im Fall der aktuellen Staatskrise handelt es sich aber vielmehr um eine akute Katalepsie, einer Form der Starrsucht, die von Neurologen auch als Stupor vigilans bezeichnet wird.

In der Medizin wird damit der Zustand eines Menschen bezeichnet, der eine bestimmte Haltung, in die er aktiv oder passiv gebracht wurde, übermäßig lange beibehält. Hebt man beim Patienten beispielsweise dessen Bein in die Höhe, bleibt es nach dem Loslassen weiterhin in der Luft. Diese Symptomatik zeigt sich oft bei schizophrenen Schüben, wie sie durch große Koalitionen ausgelöst werden können. Eine kataleptische Erkrankung zeigt sich auch durch eine starke psychomotorische Verlangsamung und einem Mangel an Handlungsbereitschaft. Betroffene zeigen nicht selten eine als "wächsern" beschriebene Erhöhung der Muskelspannung, die sogenannte Flexibilitas cerea. Wie bei einer Puppe lassen sich die Gelenke der Erkrankten leicht abwinkeln und verbleiben dann in dieser Haltung.

Obacht: Bei der Sondersitzung zur Causa Hypo im Nationalrat am Montag dieser Woche wirkte Finanzminister Michael Spindelegger ungewöhnlich wächsern. Das sollte er jedenfalls untersuchen lassen.

www.falter.at iwaniewicz@falter.at zeichnung: püribauer.com


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