Film Neu im Kino

Männer, die auf Bilder starren: "Monuments Men"

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Bei Filmen, die im Zweiten Weltkrieg spielen, ist es aufschlussreich, welcher Wert jeweils als Antithese zum Nazi-Weltbild beschworen wird: Im Ö-Film gelten oft Austrochauvinismus und Urigkeit als Gegenmittel zu Hitler, im deutschen Kino Sportlichkeit oder Sinnlichkeit, in US-Filmen ethnische Vielfalt oder ein Ethos des Survival, bei Tarantino (zurecht) Kino und Baseballschläger.

In "The Monuments Men" von & mit George Clooney ist es die Kunst. Im Diavortrag, Mission-Statement oder Off-Kommentar verkündet der Star: Der (teils historisch verbürgte) Einsatz kauziger US-Kunsthistoriker in Uniform 1944/45 zur Rettung europäischer Kunstgüter vor Nazi-Raub gelte den Grundlagen moderner Zivilisation. Die Hartnäckigkeit dieser Deklaration wirkt wie ein Gegengewicht zur Penetranz, mit der Spaßvögel wie John Goodman, Bill Murray und Bob Balaban zu Marsch-Pfeifmusik gute Laune exekutieren: von Patschertheit und Münster-"Tatort"-Streit bis zum Zahnarztsketch (Schwiegermutterwitze dann auf der DVD). Die Ära traumatophilen Geschichtskinos ist vorbei: Juhu, es geht wieder heiter zu in World War II. Dabei pfropft sich der Raubkunstrettungsklamauk von Brügge bis Alt Aussee eben dem Traumakino der "Rettung von Leben im Bild" dreist auf. Nicht nur am Omaha Beach trampeln die Männer, dem Ozean und Clooneys Ocean-Freakteams entstiegen (Hallo, Matt Damon!), durch Spielberg'sches Motivterrain, auf dass monument werde, wo zuvor memory war. Dabei fällt das Gerede über Werte von "art versus life" hinter den themenähnlichen 1964er Burt-Lancaster-Film "The Train" zurück. Verweise auf beraubte Juden und Leben, die ohne Kunst verloren seien wie Asche, münden in Pathos, das Kunst als christliches Erbgut der Menschheit schlechthin hinstellt -zu gut, um Individuen zu gehören. Was heißt das für Restitutionen von Museumsraubkunst an einzelne Erben? Pfeif drauf.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg)


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