Kommentar Arbeit in digitalen Zeiten

Das Recht auf Unerreichbarkeit sollte ein Menschenrecht sein

Falter & Meinung | INGRID BRODNIG | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Wer ein Handy und einen Job besitzt, sollte diese Nachricht gelesen haben: Deutsche BMW-Mitarbeiter haben nun ein Recht darauf, dass der Chef nicht nach Feierabend anruft. Auch bei flexiblen Arbeitszeiten können Beschäftigte Uhrzeiten mit dem Arbeitgeber ausmachen, zu denen sie nicht erreichbar sind. Darauf einigten sich der Betriebsrat und die Konzernführung.

Das Ganze zeigt, wie schwer sich viele Arbeitnehmer tun, ihre Freizeit tatsächlich freizuhalten. Viele denken sich: "Ein Anruf ist ja nicht so schlimm." Oder: "Eine E-Mail, die ist schnell geschrieben." Ein großer Selbstbetrug! Tatsächlich führt dies dazu, dass man selbst (genauso wie das Handy) nie ganz abschaltet, dass man permanent bereit ist, das eigene Privatleben für die Arbeit pausieren zu lassen.

Dabei war eine der größten Errungenschaften der Arbeiterbewegung, dass wir Menschen nicht mehr rund um die Uhr arbeiten müssen. Natürlich sind heutige Büroangestellte weit besser dran als die Fabriksarbeiter vor hundert Jahren, die oft eine menschenunwürdige Situation vorfanden, und doch besteht die reale Gefahr, dass die modernen Arbeiter das hart erkämpfte Recht auf Erholungsphasen Schritt für Schritt, Klick für Klick abtreten.

Einige Firmen gehen mit gutem Beispiel voran. BMW zeigt, dass klare Regeln möglich sind. Auch Volkswagen blockiert E-Mails, die nach Feierabend geschickt werden. Gut so! Denn 99 Prozent aller Mails können locker bis zum nächsten Morgen warten.

Es braucht aber ein generelles Umdenken: Von den Mitarbeitern, die allzu fleißig auf jede Mail reagieren, bis zu den Vorgesetzten, die abends diese Mails verschicken. Also Chefs, macht Feierabend!


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