Orgie, Orgel und Ohnmacht

Lars von Triers "Nymph()-maniac" etabliert die Pornografie im Arthouse-Kino. Trotz Dauervögelns zielt der wortreiche Film nicht auf Geilheit ab

Feuilleton | BESPRECHUNG: THOMAS EDLINGER | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Das Bekenntnis der einsamen Nymphomanin kommt gleich zu Beginn. "Ich bin ein schlechter Mensch", sagt Joe (Charlotte Gainsbourg), vorbildlich wie eine gute Christin. Die ehemalige Sekretärin mittleren Alters liegt verletzt im Bett -in der schäbigen, protestantisch kargen Junggesellenwohnung ihrer Zufallsbegegnung Seligman (Stellan Skarsgård).

Der ältere Mann hat die benommen am Boden liegende Frau zuvor im klaustrophoben Halbdunkel einer Hinterhofkulisse aufgelesen. Seligman, der sich als antizionistischer Jude beschreibt, hört vor allem zu und richtet niemals.

Er versteht alles und zieht als Skeptiker doch manches des ihm Anvertrauten in Zweifel -zum Beispiel die Selbstbezichtigung der sich selbst als nicht religiös bezeichnenden Joe als Sünderin.

Das ist dem postreligiösen Diskursanalytiker zu altmodisch moralisierend. Seligman sieht, frei nach dem französischen Philosophen Michel Foucault, eine Kontinuität zwischen religiösen und therapeutischen Beichtpraktiken und wird im Lauf


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