Gelesen Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Heitere Bezirksgeschichten

Wie schaut der Alltag eines Politikers an der Basis aus? Wer das Buch "Begegnungszone" von Renate Kaufmann liest, seit 2001 Bezirksvorsteherin des sechsten Wiener Gemeindebezirks (Mariahilf), bekommt einen kleinen Einblick. Freilich einen ein wenig geschönten, denn Kaufmann, gelernte Hauptschullehrerin, hat mit sicherem Gefühl für Tempo und Pointe die liebenswürdigeren Alltagsgeschichten aufgeschrieben. Etwa jene, bei dem sie einen Senioren, der sich bei einem gemeinsamen Busausflug einer Bezirkspensionistengruppe in seine Sitznachbarin verliebt hat, erfolgreich verkuppelt. Kaufmanns Buch ist kurzweilig und über weite Strecken unpolitisch. Das Gezerre um die neue Mariahilfer Straße kommt gar nicht erst vor. Aber am Ende weiß man dennoch, welche Eigenschaft eine Politikerin an der Basis unbedingt braucht, um erfolgreich zu sein: Sie muss die Menschen mögen.

BARBARA TÓTH

Renate Kaufmann: Begegnungszone oder die andere Seite der Politik. Echomedia, 176 S., € 14,90

Produktiver Krieg Der an der kalifornischen Stanford University lehrende Archäologe und Historiker Ian Morris wäre gerne Heavy-Metal-Gitarrist geworden, erzählt er eingangs in seinem neu erschienenen Werk. In diesem stellt er die provokante These auf, dass Kriege die Welt friedlicher und reicher gemacht hätten. Eindrucksvoll ist er dort, wo er mit historischem Material politische Konflikte rekonstruiert und seiner Leitidee einige nachvollziehbare Aspekte abverlangt. Er vergreift sich aber immer wieder im Ton, etwa wenn er die Zahl der Toten auf ihren statistischen Wert reduziert oder an vielen Stellen doch zum Schluss kommt, dass Krieg eine produktive und daher unvermeidliche Kraft sei.

MARIANNE SCHRECK

Ian Morris: Krieg. Wozu er gut ist. Campus, 527 S., € 27,80


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