Ein Dach braucht jemanden vom Fach

In Erinnerung an Herbert Eichholzer wird alle zwei Jahre ein Förderungspreis an begabte Architekturstudenten vergeben

Steiermark | MARIA MOTTER | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Vierzig Jahre war Herbert Aichholzer alt, als ihn die Nationalsozialisten 1943 in Wien hinrichteten. Der Grazer Architekt hatte sich bereits in den frühen 30er-Jahren dem Widerstand gegen das NS-Regime angeschlossen. Zwischenzeitlich in die Türkei emigriert, war er freier Mitarbeiter des Architekten Clemens Holzmeister, der von den Nazis aus der Wiener Akademie entlassen worden und nach Istanbul gezogen war. In der Fremde baute Eichholzer mit der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky und anderen eine Widerstandsgruppe der KPÖ auf. Auch an dieses beeindruckende Leben sollte man sich im Zuge der Verleihung des Herbert Eichholzer Architekturförderungspreises 2013 erinnern.

Die Preise, die nun vergeben werden, wollen vor allem die "soziale Performanz und verantwortungsvolle Bezugnahme zur gebauten Umwelt" würdigen. Unter dem heurigen Motto "Occupy Roofscape" waren Projekte gefragt, die einen Ort mit hohem Potenzial gestalten, um nachhaltiges Handeln in der Gesellschaft zu verankern. Konkret ging es um das Gymnasium und Musikgymnasium Dreihackengasse und dessen ungenutzte Dachflächen im Grazer Bezirk Gries. Was könnte damit und darauf umgesetzt werden?

Die ausgezeichneten Projekte "Zusammen Wachsen" von Wolfgang Windisch und Anna Kickingerder, wie auch "von Nachbarn lernt man" von Fabian Fitzner, Janosch Webersink und Martin Ziegerhofer haben in ihrem Entwurf Gewächshäuser auf der Dachfläche vorgesehen. Eine Spur weiter geht der Plan des Siegerprojekts von Theresa Reisenhofer: Die Architekturstudentin versteht die Schule als Knotenpunkt von Kommunikation und Nachhaltigkeit, wie der Jurybegründung zu entnehmen ist, und würde einen Marktplatz schaffen, der die Freiflächen der bestehenden Schule integriert.

Die eingereichten Projekte werden in einer Ausstellung gezeigt, nach der Preisverleihung werden die Ergebnisse des Wettbewerbs in einem Symposium diskutiert.

Haus der Architektur HDA, Graz, Mi 19.00


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