Sonntagsmaler überm Abgrund

Das Wien Museum würdigt den Maler Franz Sedlacek mit einer Werkschau. Sind dessen groteske Gemälde Nazi-Kunst?

Feuilleton | PORTRÄT: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Die Schädeldecke der barbusigen Schönheit ist geöffnet und ihr Gehirn liegt frei. Ein hässlicher Alter im Doktorkittel steht neben der Frauenbüste und hält die Kopfhaut lässig wie ein Hütchen. Im Hintergrund stehen weitere Büsten aufgereiht, allesamt entstellt, manche durch Höckernase oder Stielaugen, andere gleichen Außerirdischen.

"Beim Moulagenmacher" heißt dieser Blick ins Wachsfigurenkabinett, den Franz Sedlacek 1932 gemalt hat. Eine Werkschau im Wien Museum zeigt nun etliche von Sedlaceks gekonnten Grotesken und verschweigt auch nicht, dass er Nationalsozialist war.

Am Sonntag begann Sedlacek schon in aller Frühe zu malen. Unter der Woche aber mussten die Pinsel ruhen, bis er von seiner Arbeit als Chemiker am Technischen Museum zurückkehrte. "Mit der Straßenbahn heimwärts fahrend war ich tagtäglich bemüht, mich ,umzuschalten', dann stellte ich mich an die Staffelei und arbeitete bis in die Nacht", schilderte der Beamte, der sich selbst an den alten Meistern im Kunsthistorischen


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