Kunst Kritik

Let's misbehave: Blitze im Haus auf Rädern

Lexikon | NS | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Er nennt sie "gezeichnete Ausstellungen", selbst wenn sie oft nie woanders als auf dem Blatt Papier realisiert werden: Den Auftakt der gelungenen Schau "Ego -Subkutan" von Werner Reiterer bilden zwei Reihen dieser großformatigen Zeichnungen. Mit dem Bleistift ersinnt der Künstler immer neue Projekte -sie sind Entwürfe und eigenständige Arbeiten zugleich. Drei der Bilder in der Galerie Krinzinger zeigen solcher Imaginationen, die den Besucher in der Schau zum Schmunzeln bringen.

Auf einem Schrank im nächsten Raum hängt die Anweisung "Schreien sie jetzt so laut sie können!". Was schon in einem Selbstfindungskurs nicht leichtfällt, wird im Kunstraum zur verschärften Herausforderung. Wer sich zu brüllen traut, erntet von der Arbeit "Mutters Rat" eine akustische Reaktion. Wie so oft bei Reiterers Kunst muss man es erleben, um den Witz der von ihm so spezifisch konstruierten Situationen zu verstehen.

Einen Scherz über die Kunstgeschichte erlaubt sich der Künstler mit der Wandarbeit "The Judd-Horn": Die Ruhe und Abgeschlossenheit, die der Minimalismus mit seinen klaren, geometrischen Formen erzeugen wollte, wird dort durch eine Sirene massiv gestört. Der nächste Galerieraum hat in jeder Hinsicht eine Überraschung zu bieten, denn plötzlich steht man vor einem Campingwagen und es stellt sich unweigerlich die Frage: Wie haben sie das Ding in die Galerie hineinbekommen? Wer so sinnierend um das Gefährt schleicht, wird auf einmal von Blitz und Donner aufgeschreckt. Das Gewitter spielt sich allerdings im Inneren des Wohnwagens ab. Wohl auch eine Metapher für einen privaten Raum, in dem es kracht.

Ein von der Welt abgeschlossenes Gehäuse ist der Tresor -Reiterers Version der Verwahrkiste heißt sinnfällig "Ego". Der Schlüssel am Tresor sperrt aber nicht.

Galerie Krinzinger, bis 18.5.


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