Ohren auf Indie-Allerlei

Rumpelpop und immer wieder: Liebeslieder

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 08/14 vom 19.02.2014

Der junge Mann steht hörbar unter Druck. Dass er etwas zerstören möchte, plärrt er zu forsch angepunkter Musik samt Quietschsaxofon, womöglich gleich sich selbst. Der Nihilismus von Ezra Furman ist aber nur ein Spiel mit der Pose, ist sein neues Album "Day of the Dog" (Bar/None) doch von Leidenschaft, Vitalität und einer guten Laune geprägt, die auch gerne den erigierten Mittelfinger zum Einsatz bringt. Mit seinem in den 70er-Jahren wurzelnden Rumpelpop klingt Furman, als hätte der Songwriter-Schelm Jonathan Richman zu viele Aufputschmittel genascht.

Ebenfalls dem Rock der Seventies zugeneigt, aber ungleich entspannter tönt "Wig out at Jagbags"(Domino) von Stephen Malkmus and the Jicks. Als Sänger der US-Collegerocker Pavement war Malkmus vor 20 Jahren der König des Indierock, die Solokarriere verlief dann eher unspektakulär. Drauf hat es Malkmus aber immer noch: In den zwölf meist kurz und knackig gehaltenen Songs zeigt er sich aufgeräumt und verspielt zugleich, zuckersüße Melodien mischen sich mit dezenter Dissonanz. Kurz, der Mann ist mit sich im Reinen -und hat hörbar großen Spaß an seiner Kunst.

Körperbetonte Esoterik -gibt es das?"Rave Tapes"(Rock Action) klingt jedenfalls genau so. Wobei die schottischen Instrumentalrocker Mogwai auf ihrem jüngsten Album als Draufgabe auch ein Stück zarten Dreampop mit Gesang zu Gehör bringen. Die Regel aber ist Klangschönheit im Breitwandformat. Eh toll, nur: Kann es sein, dass die schon mal überraschender und intensiver waren?

Ganz im Zeichen der Liebe steht "Brand New Love" (Morr) der Belgier The Go Find. Überschwang und Leidenschaft sucht man vergeblich, die zurückhaltende und stellenweise doch zum Tänzeln einladende Mischung aus Indie, Elektro und einem ausgeprägten 80s-Pop-Faible ist vor allem von Melancholie geprägt. Je nach Verfassung: sehr schön oder ein bissl fad.


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