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Darling

Falter & Meinung | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

"Everybody’s Darling“ lautete der Titel eines Porträts, das Thomas Seifert ausgerechnet über den Wiener Wohnbaustadtrat verfasste. Er hieß Rudolf Edlinger und war von der FAZ gerade als "Rathausbolschewist“ bezeichnet worden, was ihn aber nicht kränkte, sondern vielmehr darin bestärkte, in seiner Förderung des öffentlichen Wohnbaus fortzufahren.

Zeugenaussagen über Edlinger hätten besser nicht ausfallen können. Bernhard Görg, Chef der Wiener ÖVP und noch nicht Vizebürgermeister, bescheinigte Edlinger, "persönlich integer und politisch redlich“ zu sein. "Ein Jakobiner, wenn er geadelt wird, wird schnell zum Realisten“, sagte Görg.

FP-Gemeinderat Rainer Pawkowicz hatte den Eindruck, Edlinger kenne sich durchaus aus, sei aber "ein kompromissloser Politiker, was in dem politischen Hintergrund, dem er entstammt, durchaus Tradition hat“.

Der grüne Christoph Chorherr lobte Edlinger ebenfalls: "Er ist ein witziger, origineller Typ, ein ausgezeichneter Redner, ein geschickter Politiker“, merkte aber an, es fehle ihm die architektonische Vision für sein Ressort. Auch der Obmann der sozialistischen Mietervereinigung kam zu Wort: "Edlinger steht auf der richtigen Seite, jener der Mieter“, sagte er. Außerdem attestierte er Edlinger Bürgernähe und beachtlichen Fleiß. "Jeder Brief an ihn wird persönlich beantwortet.“ So kommunikativ und diskussionsfreudig Edlinger auch sei, wundere sich der Obmann, der in "der Gerüchteküche um die Umbesetzungen nach dem Abgang des Dynamic Duo Zilk und Mayr als zukünftiger Wohnbaustadtrat gehandelt wird,, beim Heurigen bin ich noch nie mit ihm gesessen‘“.

Der Obmann der sozialistischen Mieter hieß Werner Faymann, und wie seine Bescheidenheit nahelegte, wurde er tatsächlich Wohnbaustadtrat, weil Edlinger als Finanzstadtrat Hans Mayr folgte. Edlinger war auch weniger g’schamig als Faymann. Er halte das Finanzressort "für eine interessante Aufgabe, sagte er, interessanter als andere Dinge“. AT


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