Kommentar  Schulpolitik

Erst die Zentralmatura macht die Reifeprüfung wertvoll

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Reform und AHS-Lehrergewerkschafter, das klingt wie ein Gegensatzpaar. Doch nun lässt der Gewerkschaftschef aufhorchen: Die Matura könne man ohne weiteres abschaffen. Schließlich gebe es an einigen Unis ohnehin eine Aufnahmsprüfung, wozu brauche es da noch eine abschließende Reifeprüfung?

Es ist kein Zufall, dass seine Absage ausgerechnet jetzt kommt. In den AHS hat die alte Matura ausgedient, im kommenden Jahr wird sie durch die neue Zentralmatura ersetzt. Das bedeutet: weniger Schulautonomie. Nicht mehr die Lehrer an der Schule geben den Stoff vor, sondern jeder Gymnasiast im Land bekommt dieselben Aufgaben gestellt.

In der AHS ist die Neuerung schon jetzt spürbar: Bis Ende März müssen die Schüler, die im nächsten Jahr zur Abschlussprüfung antreten, das Thema ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit vorlegen. Diese ist Teil der Zentralmatura, sie soll alle Schüler auf die Hochschule vorbereiten.

Neues System, alte Panik. Lehrergewerkschafter Eckehard Quin befürchtet, wegen der Zentralmatura könnten nur Mindeststandards abgefragt werden. Das führe zu einer Nivellierung nach unten. So eine Matura sei nichts wert, man könne sich das Ganze gleich sparen. Das Gegenteil ist richtig: Die Zentralmatura hat sich in den meisten EU-Staaten längst bewährt, in Frankreich gibt es sie seit Kaiser Napoleon Bonaparte.

In Österreich entschied bislang nicht nur die Leistung, sondern auch der Lehrer über die Note. Er konnte ein Auge zudrücken. Oder auch nicht. Er schränkte den Stoff ein. Oder auch nicht. Die Zentralmatura bringt jetzt mehr Fairness und Vergleichbarkeit. Erst jetzt bekommt die Reifeprüfung den Wert, den sie verdient. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige